Chatelain rät: Nur ruhig Blut

Wenn die Aktienkurse steigen, wünschen Leserinnen und Leser von mir Aktienempfehlungen. Und wenn die Kurse fallen, wollen die Leser wissen, ob man jetzt verkaufen soll. Eigentlich müsste es umgekehrt sein.

Wiederholt hatte ich in den vergangenen Monaten empfohlen, zumindest einen Teil der Aktien zu verkaufen. So zum Beispiel in der Kolumne vom 5. Mai. Damals lag der Swiss Market Index (SMI) bei 9500 Punkten. Zwischenzeitlich verlor er über 12 Prozent. Wer meinem Rat folgte, konnte die Aktien zu einem deutlich tieferen Preis kaufen, als er sie verkauft hatte.

 

Bingo, könnte ich nun sagen. Ich habe ins Schwarze getroffen. Falsch: Ich bin weder ein Börsenprophet noch ein begnadeter Glücksritter. Ich stützte mich lediglich auf die unumstrittene Erkenntnis, dass auf jeden Konjunkturboom wieder härtere Zeiten folgen. Die Höhe der Börsenkurse ist die Folge einer blühenden Wirtschaft. Sobald der Konjunkturmotor zu stottern beginnt, werden Unternehmen tiefere Gewinne ausweisen. Tiefere Gewinne führen zu tieferen Aktienkursen. Letztlich sind die Kursschwankungen eine Folge der Konjunkturzyklen.

 

Deshalb trifft jeder Crash-Prophet ins Schwarze. Er muss nur seine Prophezeiung lange genug vertreten. Was jedoch niemand vorauszusagen vermag, ist der Zeitpunkt und die Dauer einer Börsenkorrektur. Die aktuelle Situation ist geradezu exemplarisch. Die Börsianer sind sich einig, dass der Kurssturz auf die Hypothekarkrise der USA zurückzuführen ist. Aber warum erfolgte der Kurssturz nicht schon vor einem Jahr? Die Hypothekarkrise ist nämlich nicht vom Himmel gefallen. Schon im Januar 2005 mutmasste die «NZZ», die damaligen Kurswirren könnten mit der «Erwartung einer möglichen Hypothekarkrise in den USA» zusammenhängen.

 

Typisch: Obschon die Hypothekarkrise schon seit Jahren akut ist, kletterten die Aktienkurse munter nach oben. Erst Jahre später reagierte die Börse. Experten sprechen von einem Überschiessen. Wie gesagt: Dass die Aktienkurse fallen, weiss jeder. Wann sie fallen, weiss man nicht im Voraus.

Deshalb die altbekannten Tipps:

  • Lassen Sie sich durch Wirren nicht beirren.
  • Kaufen Sie Aktienfonds, die einen Börsenindex abbilden (ETF).
  • Investieren Sie regelmässig, zum Beispiel über einen Fondssparplan.
  • Verkaufen Sie in der Hausse, kaufen Sie in der Baisse.

 

Erschienen im BLICK am 25. August 2007

Claude Chatelain