Vierte Säule: Unisex-Tarife machen die Sache nicht besser

Gleiche Versicherungsprämien für Mann und Frau? In den EU-Ländern ist das seit Anfang Jahr Gesetz. Auf den ersten Blick in der Tat keine abwegige Idee.

Frauen können nichts dafür, dass sie Frauen sind. Schliesslich war es die Idee des Schöpfers, Schwangerschaft und Geburt allein dem weiblichen Geschlecht zu übertragen. Naturgemäss sind damit auch höhere Krankheitskosten verbunden, was sich wiederum bei der Zusatzversicherung in höheren Krankenkassenprämien niederschlägt. Weshalb aber sollen Frauen auch noch mit höheren Versicherungsprämien bestraft werden?


Wenn man den Faden weiterspinnt, kommt man allerdings unwiderruflich zum Schluss, dass auch Männer nichts dafürkönnen, dass sie Männer sind. Mit dem Mannsein ist ein höheres Invaliditäts- und Sterblichkeitsrisiko verbunden. Warum also werden Männer mit höheren Prämien für Erwerbsunfähigkeit und Tod bestraft?


Wenn für Mann und Frau gleiche Prämien gelten sollen, dann ist nur schwer zu rechtfertigen, dass für Junge und Alte oder Kranke und Gesunde unterschiedliche Prämien verlangt werden. Das wäre der Abschied von den risikogerechten Tarifen. Zu was das führen würde, zeigen uns in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung die Krankenkassen mit ihrer erfolgreichen Jagd auf junge und gesunde Leute, auf sogenannte gute Risiken.


Würden auch in der Schweiz Unisex-Tarife verordnet, wie das insbesondere Politikerinnen wiederholt fordern, würden Autoversicherer gezielt die Frauen bewerben. Oder um in der Sprache der Krankenversicherer zu bleiben: Sie würden Jagd auf Frauen machen. Frauen verursachen  nachweislich weniger Schäden als Männer. Für ihre vorsichtigere Fahrweise werden sie mit tieferen Prämien belohnt.


Solidarität ist gut in der Sozialversicherung. Dort ist sie sogar notwendig. Ansonsten bringt die Gleichmacherei nichts und den Frauen schon gar nichts. Bei Unisex-Tarifen müssten Frauen insgesamt eher höhere Prämien bezahlen als heute.

 

Erschienen in der BZ am 15. Januar 2013

 

 

 


 

Claude Chatelain