Vierte Säule: Nachlese zum Fall Valiant-BEKB

Kurt Streit hat ausgedient.
Kurt Streit hat ausgedient.

Als ich mich eine Woche vor dem Weltuntergang  in die vorgezogenen Weihnachtsferien begab, hatte ich nicht damit gerechnet, dass bei der Wiederaufnahme meiner Arbeit Kurt Streit nicht mehr Verwaltungsratspräsident der Valiant-Holding sein würde.

Ich schrieb noch einen Artikel für die Montagsausgabe vom 17. Dezember über all die Gerüchte und offenen Fragen, die rund um die Fusionsgespräche zwischen der Valiant und der Berner Kantonalbank BEKB kursierten. Der hilflose Schrei der Valiant-Bank nach einem Retter machte einfach überhaupt keinen Sinn. Besagter Artikel erschien selbstverständlich nicht im Blatt, da am Vorabend der geplanten Publikation, am Sonntag Abend um 18.00 Uhr, der vorzeitige Rücktritt von Kurt Streit – die Handelszeitung nannte ihn Sonnenkönig – und das Abblasen der Fusionsverhandlungen offiziell kommuniziert wurden. 
 

Welche Rolle spielt Kurt Streit, der VR-Präsident der Valiant-Holding? Fragte ich rhetorisch. Wird der Sonnenkönig von den anderen VR-Mitgliedern gestützt oder macht er einen Solo-Lauf? Seit jenem Sonntagabend vom 16. Dezember wissen wir es: Er machte einen Solo-Lauf. Doch eine andere Frage ist für mich bis heute nicht beantwortet: Warum bestätigten die beiden involvierten Banken Fusionsverhandlungen? Professionelle Kommunikationsabteilungen bemühen bei Sondierungsgesprächen immer die gleichen Floskeln: «Gerüchte kommunizieren wir grundsätzlich nicht». Oder: «Kein Kommentar». Und wenn man Verhandlungen bestätigen will, so heisst es: «Ja, es finden Gespräche statt. Wir prüfen sämtliche Optionen». Doch die beiden Banken gingen  noch weiter und bestätigten Gespräche «über ein mögliches Zusammengehen der beiden Gesellschaften».


Und wenn wir schon bei den rhetorischen Fragen sind: Warum gelangte die Information über Fusionsgespräche an die Öffentlichkeit? Beobachter gehen davon aus, dass die Indiskretion gezielt erfolgte. Für dieses Szenario spricht die eigenwillige Kommunikationsstrategie der beiden Banken. 


Jedenfalls hat das ganze Intermezzo der Valiant-Gruppe enorm geschadet.

 

Erschienen in der BZ am 8. Januar 2012

 


 

 

 

 


 

Claude Chatelain