Vierte Säule: Die KPT wird dereinst Sanitas heissen

Es geht immer nach demselben Muster: Ein Grossunternehmen übernimmt eine traditionelle Firma mit einem erprobten Markennamen. Grossmundig wird dann verkündet, für die betroffenen Mitarbeiter würde sich nichts ändern. Auch am Namen wolle man festhalten.

Und irgendwann passiert, was nun mit dem führenden Rechtsschutzversicherer geschieht. Er heisst nicht mehr Winterthur-Arag; er heisst neu Axa-Arag. Und bald wird auch der Name Axa-Winterthur verschwinden. Man wird dann sagen, die Marke Axa erfreue sich steigender Bekanntheit. Damit würde mit Winterthur ein weiterer Markenname in der Versicherungslandschaft verschwinden – und erst noch ein weltweit bekannter.

 

Wie hatte doch die Münchner Allianz gesagt, der Name «Berner» werde beibehalten. Mittlerweile ist nicht nur der Name verschwunden, auch die meisten Arbeitsplätze sind entgegen früherer Beteuerungen von Bern nach Zürich verlegt worden.

 

Ähnlich wird es mit der KPT geschehen, sollte sie auf den 1. Januar 2011 mit der Sanitas fusionieren. Früher oder später wird der Name KPT fallen; früher oder später werden auch Arbeitsplätze nach Zürich verlegt. Fusionen machen nur Sinn, wenn man Kosten sparen kann. KPT-Präsident Walter Bosch kann da noch lange etwas anderes behaupten. Ihm wird es eh egal sein. Bis es so weit sein wird, hat er das Amt bei der KPT abgegeben und die Millionen am Trockenen, die ihm durch diese Fusion zugespült werden.

 

Nach Bosch wird Jens Alder das Zepter übernehmen. Der ehemalige Swisscom-Chef ist eh nicht der Mann, der sich lange mit der Nummer zwei abfinden wird. Heute ist er VR-Präsident von Sanitas und designierter Vize des Sanitas/KPT-Gebildes. Mit ihm und CEO Otto Bitterli werden dann zwei Sanitas-Leute das Sagen haben. Und wenn es darum geht, die Aktivität in Zürich zu konzentrieren, werden sie im besten Fall Ex-Bundeskanzler Konrad Adenauer zitieren: «Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.»

 

Erschienen in der BZ am 17. August 2010

Claude Chatelain