Nichtkotierte zünden spät

Gemessen am Aktienkurs erzielte die Flugbetreiberin Alpar im zurückliegenden Jahr ein hervorragendes Ergebnis.
Gemessen am Aktienkurs erzielte die Flugbetreiberin Alpar im zurückliegenden Jahr ein hervorragendes Ergebnis.

Erfahrungsgemäss hinkt die Kursentwicklung nichtkotierter Aktien der Entwicklung der börsenkotierten Werte hinterher. Das stimmt für die Zukunft zuversichtlich.

Rolf Bigler blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück.  Der ehemalige YB-Fussballer leitet bei der Berner Kantonalbank den Handel mit nicht-kotierten Aktien. So wurden über die elektronische Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank im abgelaufenen Jahr Aktien mit einem Volumen von 119 Millionen  Franken gehandelt. Das sind zwar 5 Prozent weniger als 2010, aber immer noch mehr als in den beiden Jahren zuvor. «Wir handelten in einem widrigen Umfeld», sagt Bigler. An der Schweizer und der Berner Börse sei der Umsatzrückgang grösser ausgefallen.  Zudem sei die OTC-X von Turbulenzen verschont geblieben.

Rolf Bigler, BEKB
Rolf Bigler, BEKB

Nichtkotierte haben Potenzial

Besonders zuversichtlich stimmt Bigler die Zukunft. Wenn die Kurse der börsenkotierten Aktien anziehen, so hinken die Nicht-kotierten drei bis fünf Monate hinterher. Bisher ist dieser zeitverschobene Aufschwung der nichtkotierten Aktien laut Bigler noch nicht erfolgt.  Zudem stellt Bigler  ein wachsendes Interesse an ausserbörslich gehandelten Aktien fest.  «Bislang standen nur ein paar wenige Aktien im Fokus. Heute ist das Interesse viel breiter abgestützt».


Bahnen als Zugpferde


Gegen die 40 Aktien von Unternehmen mit Sitz im Kanton Bern werden über diese Plattform gehandelt. Es sind dies Unternehmen der verschiedensten Branchen. Bekannt sind vor allem die touristischen Bahnen   —  von der Niesenbahn, über die Bergbahnen Adelboden, Luftseilbahn Wengen-Männlichen bis zu der schier pleite gegangenen  Bergbahnen Meiringen-Hasliberg. Mit Ausnahme der Schilthornbahn  verzeichnen all die Bergbahnaktien Jahresumsätze von weniger als 100000 Franken pro Jahr. Die  Gondelbahn Grindelwald-Männlichen und die Berner Oberland-Bahnen AG  figurieren  nicht auf dieser Liste. Ihre Aktien sind an der Berner Börse kotiert.


Den mit Abstand höchsten Umsatz der nichtkotierten Berner Werte erzielen die Aktien der Bieler Immobiliengesellschaft Espace Real Estate, die aus der Vereinigten Drahtwerke Biel hervorgegangen ist.  Vier der sechs  umsatzstärksten Titel stammen aus dem Seeland (siehe Tabelle).

 

Alpar: plus 150 Prozent


Was die Entwicklung der Aktienkurse betrifft, fällt der satte Kursgewinn von 150 Prozent der Flughafenbetreiberin Alpar auf. Eine Investorengruppe um Skywork-Besitzer Daniel Borer sorgte für die überdurchschnittliche Nachfrage und den damit einhergehenden Kursgewinn. 2011 wurden Alparaktien im Wert von 80445 Franken gehandelt. 2012 waren es mehr als dreimal so viel.


Auffallend ist auch die Kursvance von 25 Prozent und der verhältnismässig hohe Umsatz der Harderbahnaktien. Der Umsatz von 79586 Franken ist zwar nicht allz hoch, aber eben ein Mehrfaches der in den Vorjahren erzielten Umsätze von rund 5000 Franken. Weder die BEKB noch die Jungfraubahnen, welche 70 Prozent der Harderbahn-Aktien besitzen, haben eine Erklärung für diesen regen Handel. Häufig kommt es bei solchen Liebhaberwerten vor, dass aufgrund einer Erbschaft eine verhältnismässig grosse Zahl von Aktien gehandelt wird.

 

Einen stolzen Kursgewinn von 27,4 Prozent verzeichnen auch die Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld. Und dies, obschon die Analysten von Swiss Equity Research in einer Studie die Aktionärsstruktur kritisiert und indirekt vom Kauf der Aktien abgeraten hat.

 

Die grossen Kursunterschiede in der Tabelle sind zum Teil zufällig, aufgrund der tiefen Umsätze entstanden. Und weil bei gewissen Titeln die letzte Handänderung mehrere Wochen oder Monate  zurückliegt, werden in der Tabelle nicht die Schlusskurse, sondern die Geldkurse aufgeführt.

 

Erschienen in der BZ am 8. Januar 2013

Claude Chatelain