Die versalzene Gerüchteküche um die Valiant-Bank

In der Gerüchteküche um die Fusionsverhandlungen zwischen der Berner Kantonalbank (BEKB) und der Valliant-Holding brodelt es weiter. Viele Fragen sind offen.

Experten wundern sich, weshalb es überhaupt zu Fusionsverhandlungen zwischen der Berner Kantonalbank (BEKB) und der Regionalbankengruppe Valiant kommen konnte. Auf offiziellem Weg ist nichts Neues zu erfahren. Das ist der beste Nährboden für wilde Spekulationen. Zumal die Beobachter davon ausgehen, dass ein solcher Schulterschluss aus politischen Gründen kaum realisiert werden kann.

 

Unruhe bei Mitarbeitern

 

Gewiss ist, dass bei den Mitarbeitern beider Banken eine grosse Unruhe herrscht. «Die BEKB muss noch vor Weihnachten einen Entscheid kommunizieren», sagt ein Insider. «Man kann nicht die Leute mit einer solchen Ungewissheit in die Festtage entlassen». Ungewissheit bedeutet auch Angst um den Job. Ein Zusammengehen der beiden grössten Berner Banken hätte einen grossen Stellenabbau zur Folge. Das Filialnetz überlappt sich.

 

Bis der Entscheid der BEKB vorliegt, drängen sich Fragen auf:

Ist die Valiant so schlecht aufgestellt, dass sie verzweifelt eine Käuferin suchen muss? Zumindest aufgrund der veröffentlichten Zahlen deutet nichts darauf hin, dass bei der Valiant-Gruppe ein akuter Handlungsbedarf besteht. Sie erfüllt laut eigenen Angaben schon heute die Eigenmittelvorschriften laut «Basel III» für das Jahr 2016.

Kurt Streit - der Sonnenkönig
Kurt Streit - der Sonnenkönig

Welche Rolle spielt Kurt Streit, der VR-Präsident der Valiant-Holding? Der langjährige starke Mann der Valiant-Gruppe – die «Handelszeitung» nennt ihn Sonnenkönig – tritt auf die kommende GV ab. Normalerweise schlägt man in solchen Fällen keine Pflöcke mehr ein. Streit hatte an der GV vor anderthalb Jahren gesagt, dass die Valiant einen strategischen Partner suche, der sich bei Valiant im grösseren Stil beteilige. Vielleicht will er diese Pendenz noch erledigen. Doch Streit sprach von einem Partner; nicht von einer Käuferin. Wird Streit - eben der Sonnenkönig - von den anderen VR-Mitgliedern gestützt oder macht er einen Solo-Lauf?

Jürg Bucher
Jürg Bucher

Welche Rolle spielt Jürg Bucher? Der ehemalige Postchef ist designierter Verwaltungsratspräsident und gewählter VR-Vize der Valiant. Bucher ist ein politisch denkender Mensch. Er kennt die politische Konstellation im Kanton Bern. Zudem ist es schwer vorstellbar, dass Bucher die Valiant verkaufen will, ehe er das Präsidium angetreten hat. Es sei denn, der Valiant steht das Wasser bis zum Hals.

Warum gelangte die Information über Fusionsgespräche an die Öffentlichkeit? Etliche Beobachter gehen davon aus, dass die Indiskretion gezielt bekannt gemacht wurde. Für dieses Szenario spricht die eigenwillige Kommunikationsstrategie der beiden Banken.

Warum bestätigen die Banken Fusionsverhandlungen? Professionelle Kommunikationsabteilungen bemühen bei Sondierungsgesprächen immer die gleichen Floskeln: «Gerüchte kommunizieren wir grundsätzlich nicht». Oder: «Kein Kommentar». Und wenn man Verhandlungen bestätigen will, so heisst es: «Ja, es finden Gespräche statt. Wir prüfen sämtliche Optionen». Doch die beiden Banken gehen noch weiter und bestätigten Gespräche «über ein mögliches Zusammengehen der beiden Gesellschaften». 


Steckt die Finanzmarktaufsicht dahinter?Weil sich so vieles nicht erklären lässt, macht auch die Vermutung die Runde, dass die Aufsichtsbehörde der Valiant-Spitze nahe legte, eine Käuferin zu suchen. Doch würde sie diese Aufgabe tatsächlich Kurt Streit übertragen? Das ist höchst fragwürdig, zumal die heutige Führungsriege von der Finma wegen Marktmanipulation gerügt wurde und somit jede Glaubwürdigkeit verloren hat.

Warum die BEKB? Warum nicht eine andere Bank? Nicht offiziell, aber inoffiziell ist bekannt, dass die Führungsriege der Valiant auch mit anderen Banken Gespräche führt.

Jean-Claude Nobili
Jean-Claude Nobili

Was sagt Nobili dazu? Nach 34 Jahren bei der BEKB trat Jean-Claude Nobili vor einem Jahr als CEO ab. Zu den Turbulenzen Anfang der neunziger Jahre sagte er vor einem Jahr in einem Interview: «Diese schwierige Zeit hat mich geprägt. Ich habe gesehen, wie man in drei Jahren eine Bank gefährden kann. Wir hatten faule Kredite von 6,6 Milliarden Franken in die Auffanggesellschaft Dezennium ausgelagert. Seither verfolgen wir eine konsequente Low-Risk-Strategie.»  eute sitzt Jean-Claude Nobili im Verwaltungsrat der BEKB.

 

Ein «Zusammengehen» zweier so veschiedener Firmenkulturen wäre alles andere als «low-risk».

 

 

Die Publikation dieses Artikels war für die BZ vom Montag, 17. Dezember 2012 geplant. Am Abend zuvor gab Valiant den Abbruch der Verhandlungen mit der BEKB und das vorzeitige Ausscheiden von Kurt Streit als VR-Präsident bekannt.

Claude Chatelain