Die Valiant-Spitze spricht auch mit der CS und der UBS

Die Valiant-Spitze verhandelt nicht nur mit der Berner Kantonalbank. Auch  mit der CS und der UBS finden Gespräche statt. Am liebsten aber hätte sie einen grösseren Aktionär.

Kann gut Lachen: Er hat die Millionen im Trockenen.
Kann gut Lachen: Er hat die Millionen im Trockenen.

Die Valiant-Holding führt derzeit Gespräche mit der Berner Kantonalbank (BEKB) über ein mögliches Zusammengehen der beiden Gesellschaften (Ausgabe von gestern). Bereits  an der letztjährigen Generalversammlung vom Mai 2011 erklärte Verwaltungsratspräsident Kurt Streit, dass die Valiant-Holding einen strategischen Partner suche. Dieser soll sich im grösseren Stil bei der Valiant beteiligen. Das könne die  Kursentwicklung stabilisieren.


Streit will sich den Abgang versüssen


Wie es scheint, ist die Suche nach einem strategischen Partner immer noch das primäre Anliegen von Kurt Streit, der auf die nächste GV sein Amt an den ehemaligen Postchef Jürg Bucher abgeben wird. Offenbar will er das angekündigte Vorhaben als seine letzte Amtshandlung noch in die Tat umsetzen. «So könnte er sich seinen Abgang versüssen», sagt ein Insider.  Und  gleichzeitig will Streit alle Optionen prüfen. Eine Option wäre eben das Andienen der Valiant-Aktien an einen potenziellen Käufer.


Aus anderer guter Quelle ist nun zu erfahren, dass die Valiant-Spitze nicht nur mit der BEKB Gespräche führt. Auch mit der Credit Suisse und mit der UBS fänden Gespräche statt. Die betreffenden Grossbanken sagen, was sie immer bei solchen Situationen erklären: «Die UBS kommentiert Marktgerüchte grundsätzlich nicht.» Und die CS sagt: «Kein Kommentar.»


Man darf davon ausgehen, dass die Führungsriege der Valiant mit allen möglichen Partnern das Gespräch sucht. Ob jedoch die Grossbanken eine ideale  Käuferin wären, bleibt zweifelhaft. Sie haben ein ähnliches Problem  wie die Valiant-Gruppe: ein zu dünnes Kapitalpolster. Ihre Priorität gilt vorerst dem Aufstocken des Eigenkapitals und nicht dem Ausbau des Filialnetzes.


Steckt die ZKB dahinter?

 

Da es kaum einsichtige Gründe gibt, weshalb die BEKB an der Valiant-Bank Interesse haben  soll, schiessen die wildesten Gerüchte ins Kraut. Eines besagt, dass die Zürcher Kantonalbank (ZKB)  Kaufinteresse habe. Nun möchten die Berner verhindern, dass die Zürcher in ihrem Stammgebiet grasen.  Die ZKB-Medienstelle bestreitet dies.


Zudem soll Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz im vertrauten Kreis gesagt haben, er wäre an den Valiant-Banken interessiert. Doch nach dem Trommelfeuer, dem er nach der Übernahme des Schweizer Geschäfts  der Bank Wegelin ausgesetzt gewesen sei, komme das derzeit kaum infrage.


Was ist mit der Postfinance?


Gewisse Beobachter meinen,  die Postfinance würde als strategischer Partner besser zur Valiant passen als die BEKB. Womöglich führt  die personelle Konstellation mit Jürg Bucher als früherer Postfinance- und Postchef sowie künftigen Valiant-Präsidenten zu diesem Schluss. Doch die Postfinance kann nicht das Kreditverbot umgehen, indem sie eine Kreditbank kauft. Ein solcher Deal würde politisch auf einen noch grösseren Widerstand stossen als ein Zusammengehen der Valiant mit der BEKB.

 

Roland von Büren
Roland von Büren

Nicht VR-Präsident Kurt Streit sei verantwortlich für die zweifelhaften Options- und Aktien-rückkaufsprogramme der Valiant-Holding, erklärte uns gestern ein Leser. Kurt Streit sei erst seit 2009 VR-Präsident; vorher war er «bloss» CEO.  Der Verantwortliche des Schlamassels sei vielmehr Roland von Büren, der ehemalige Präsident der Wettbewerbskommission, Rechtsprofessor und  Spezialist für Konzernrecht. Er war von 1997 bis 2009 Verwaltungsrats-präsident der Valiant-Holding  und damit der oberste  Verantwortliche.
Auch Rolf Beyeler, der Finanzchef, sei  nicht schuld. Er habe nur die Aufträge ausgeführt.

 

All das ist richtig: Professor von Büren spielt in der Tat eine höchst zweifelhafte Rolle in der Saga Valiant. Doch Brancheninsider sind sich einig: Der starke Mann bei Valiant war immer Kurt Streit. Er ist der Richter. Rolf Beyeler hat nur ausgeführt, was ihm befohlen wurde. Nun ist es natürlich so, dass auch beim Henker Blut an den Händen klebt. Deshalb muss Beyeler auch gehen. Frei nach Dürrenmatt: Streit ist der Richter; Beyeler  der Henker.

 

Oder ist etwa doch von Büren der Richter? Das würde zu ihm passen, schliesslich ist Professor Dr.Roland von Büren Präsident der Charlotte-Kerr-Dürrenmatt-Stiftung.

 

Erschienen in der BZ am 8. Dezember 2012


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Claude Chatelain