Vierte Säule: Verkaufen Sie die 3a-Fonds

Der Dezember ist nicht nur der Monat, in welchem man laut Emil Steinberger «warmi Hämber treit». Der Dezember ist auch der Monat, in welchem man von der Bank daran erinnert wird, noch vor Jahresende das Konto 3a zu alimentieren. Was auf das Konto 3a überwiesen wird, kann man vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Für Leute mit einer Pensionskasse sind das maximal 6682 Franken pro Jahr.

Zahlreiche Bankkunden lassen das Geld nicht auf dem Konto 3a mit seinen spärlichen Zinsgutschriften. Sie investieren das Geld in Vorsorgefonds, wie das im Rahmen des steuerbegünstigten Sparens 3a möglich ist. Die 3a-Fonds unterliegen strengen Auflagen. Eine davon besagt, dass der Aktienanteil maximal 50 Prozent betragen darf. Er darf aber auch null betragen. Umgekehrt dürfen solche Fonds ausschliesslich mit Obligationen bestückt sein.

 

Obligationen? Nein danke. Wir erleben derzeit historisch tiefe Zinsen. Sobald die Zinsen steigen, werden die Obligationenkurse sinken. Damit sinkt auch der Kurs der Vorsorgefonds. Es sei denn, höhere Aktienkurse werden im Anlagefonds die tieferen Obligationenkurse ausgleichen. Voraussetzung ist, dass erstens der Fonds überhaupt Aktien enthält. Und zweitens sind höhere Zinsen nicht wirklich ein vielversprechender Nährboden für höhere Aktienkurse. Ich habe schon gehört, dass Bankberater ausgewählte Kunden kontaktierten und ihnen den Kauf von Vorsorgefonds ans Herz legten. Ich habe aber noch nie gehört, dass Bankberater ihre Kunden kontaktierten, um den Verkauf von 3a-Fonds zu empfehlen. Ich werde deshalb diesen Job übernehmen: Hätte ich Anlagefonds des Typs 3a im Depot, würde ich die Fonds heute verkaufen und das Geld auf dem Konto 3a belassen. Dort habe ich immerhin einen Zins von bis zu 2 Prozent und riskiere keinen Wertverlust. Das Risiko steigender Zinsen und fallender Obligationenkurse ist mir zu gross.

 

Erschienen in der BZ am 4. Dezember 2012

Claude Chatelain