Herr Fischer, haben Sie Verständnis für die kritischen Voten?

Peter Fischer, Leiter des Zentrums Paul Kleee
Peter Fischer, Leiter des Zentrums Paul Kleee

Finanzspritze fürs Zentrum Paul Klee: Der Grosse Rat hat gestern einen Investitionskredit von 1,6 Millionen Franken für nötige Sanierungsarbeiten deutlich angenommen. Direktor Peter Fischer erklärt, wie er das ZPK nun in die schwarzen Zahlen bringen will.

  

Herr Fischer, erleichtert?
Peter Fischer: Ja, sehr.

 

Sie verfolgten die Debatte von der Tribüne aus. Ihr Eindruck?

Ich bin sehr angetan vom Vertrauensbeweis, den die Räte unserer Arbeit entgegenbringen. Auch von jenen, die den Investitionskredit ablehnten.

Haben Sie Verständnis für die kritischen Voten?

Selbstverständlich. Sie waren ja nicht gegen das Zentrum Paul Klee (ZPK) oder gegen unsere Arbeit gerichtet. Der Kanton Bern muss nun mal sparen. Da ist es nichts als legitim, Kreditbegehren zu hinterfragen.

 

Welche Lehren ziehen Sie aus der Debatte?

Sie bestärkt mich in der Überzeugung, wie wichtig eine offene Kommunikation ist. Man kann nicht transparent genug sein.

 

Trotz dem Kredit ist das ZPK weiterhin finanziell nicht sonderlich gut aufgestellt. Bisher galt es stets als massiv unterfinanziert.
Es ist eine meiner Hauptaufgaben, die Finanzen in den Griff zu bekommen. Gemäss unserer Mehrjahresplanung werden wir spätestens ab nächstem Jahr bis zum Ende der Subventionsperiode 2015 schwarze Zahlen schreiben. Längerfristig können wir erst planen, wenn ein neuer Subventionsvertrag ausgehandelt ist. 

 

Schwarze Zahlen schreiben und zugleich Rückstellungen bilden?
Es ist langfristig unser Ziel, Reserven zu äufnen. Aber wir können jetzt nicht von einem Extrem ins andere kippen. Wir werden vorerst zufrieden sein, eine ausgeglichene Rechnung präsentieren zu können.

 

Wo wollen Sie Einsparungen vornehmen?
Zum einen straffen wir die Organisation…

 

…in welchen Bereichen?
Zum Beispiel indem wir vakante Stellen nicht neu besetzen. Sparpotenzial gibt es überall, im Versicherungswesen oder auch im Leihverkehr. Bilder aus Übersee zu transportieren, ist teuer. Wir stellen uns immer wieder die Frage: Ist es nötig, dieses oder jenes Bild in der Ausstellung zu haben oder nicht?

 

Sie können mit vermehrten Leihgaben von Klee-Werken zusätzliche Einnahmen machen.
Ja, dies ist ein wichtiger Aspekt. Die aktuelle Engelausstellung reist etwa weiter nach Essen und Hamburg. Der Spielraum für eine extensive Leihpolitik ist aber nahezu schon ausgereizt. Die Werke sind empfindlich, können nicht endlos transportiert werden. Unsere Klee-Sammlungen sind ein wertvolles Kulturgut, das wir bewahren müssen und nicht übernutzen dürfen. 

Peter Fischer vor "seinem" ZPK
Peter Fischer vor "seinem" ZPK

Dann bleiben noch die Sponsoren.
Es ist uns schon gelungen, neue Partner zu finden, die uns finanziell unterstützen werden. Insbesondere geniessen wir auch das Vertrauen von bedeutenden Schweizer Vergabestiftungen, die uns in unserem Neuprofilierungsprozess unterstützen.

 

Bist jetzt nimmt das ZPK mit seiner internationalen Ausstrahlung fünfmal weniger Spenden und Sponsorengelder ein als das Kunstmuseum Bern.
Die Region ist wirtschaftlich nicht sehr stark. Es kommen keine neuen Firmen auf den Markt, die sich einen Sponsoringpartner suchen. Das heisst, wir müssten Sponsoren von anderen Häusern abwerben. Das wäre aber absurd. Schliesslich verfolgen wir alle das gleiche Ziel: auf dem Platz Bern gute Kunst und Kultur zu vermitteln. Zudem sind wir eine Institution mit nationaler und internationaler Ausstrahlung. Die Interessen vieler hiesigen Firmen liegen eher im Regionalen.

 

Gerade deshalb sollten Sie doch nationale oder internationale Sponsoren akquirieren.
Das versuchen wir auch. Aber wir dürfen das schwierige wirtschaftliche Umfeld nicht verkennen. Und die grossen Konzerne haben ihren Sitz nicht in Bern. Sie unterstützen in Zürich und Basel bereits Institutionen, die ebenso renommiert sind wie das ZPK. Die Credit Suisse beispielsweise verfolgt die Politik, ein ausgewähltes Museum pro Region zu unterstützen, in Bern ist das nun halt das Kunstmuseum.

 

Es gibt noch die UBS.
Die UBS ist bereits Partnerin der Art Basel und der Fondation Beyeler. Wir versuchen aber natürlich, für einzelne attraktive Grossprojekte Sponsoren zu finden, etwa für Klee & Kandinsky im Jahr 2015.

 

Das ZPK ist ein Mehrspartenhaus. Könnten Sie nicht einfach Abstriche beim Programm machen? Etwa bei wenig rentablen Konzertabenden?
Wir halten am Mehrspartenbetrieb fest. Aber wir stellen uns sehr wohl die Frage, welche Aktivitäten über Subventionen mitfinanziert werden müssen.

 

Sie könnten doch sagen, Konzerte müssten grundsätzlich kostendeckend sein.
Das können wir nicht. Unsere Aufgabe besteht ja nicht nur darin, die Werke von Paul Klee zu zeigen. Unser Kernauftrag besteht darin, die gesamte künstlerische Haltung von Klee darzustellen. Daraus können wir innovative interdisziplinäre Projekte ableiten und umsetzen, etwa im Musikbereich. Wenn aber ein Konzertabend nichts mit Paul Klee und unseren Kernthemen zu tun hat, bin ich der Meinung, dass die Veranstaltung kostendeckend sein sollte. 

Haben Sie überhaupt eine Vollkostenrechnung?
Ja, natürlich…

 

Ist das selbstverständlich? Das Konzert Theater Bern hat keine.
Wir haben die Vollkostenrechnung auch erst seit einem Jahr, als wir neue Buchhaltungsgrundsätze eingeführt haben. Sie ist ein gutes Führungsinstrument, mit dem man auch während des Jahres weiss, wo man in den einzelnen Sparten steht. Eine transparente zeitgemässe Rechnungslegung ist auch Teil unserer Strategie zur Gesundung der Finanzen.

 

Zur Gesundung könnte auch die nähere Zusammenarbeit oder die Fusion mit dem Kunstmuseum Bern ab 2016 beitragen.
Das Einsparungspotenzial ist Gegenstand der aktuellen Abklärungen – die Ergebnisse will ich nicht vorwegnehmen. Darüber werden die Stiftungsräte vor Weihnachten informieren. Gleichwohl kann ich sagen, dass das Einsparpotenzial bescheiden sein wird, schliesslich will die Politik die beiden Standorte mit ihren Stärken zu Recht aufrechterhalten. Hohe Kostenstellen wie die Infrastrukturen bleiben entsprechend bestehen.

 

Also müsste das Kunstmuseum bei einer Fusion die Unterfinanzierung des ZPK ausbügeln?
Es ist, wie eingangs gesagt, unser Ehrgeiz und Teil unserer Strategie, diese Unterfinanzierung aus eigener Kraft zu beseitigen – dann wäre sie gar kein Thema mehr für die Kooperationsgespräche. Ich bin überzeugt, dass wir den Beweis erbringen werden, dass das ZPK auch mit der aktuellen Subventionshöhe auf einem guten Niveau geführt werden kann.

Interview: Claude Chatelain, Stefanie Christ

Im Grossen Rat

 

Mit 81 zu 53 Stimmen segnete gestern der Grosse Rat den Investitionskredit für das Zentrum Paul Klee (ZPK) ab, nachdem das Geschäft vorher zweimal vertagt wurde. Das Geld dient ausdrücklich für Ersatzinvestitionen und nicht für den jährlichen Betrieb, so wie das in den Subventionsverträgen vorgesehen ist. Die Befürworter strichen vor allem die touristische Bedeutung des ZPK hervor. Ein Argument, das auch die Kritiker nicht bestritten. Doch für Ruedi Löffel (EVP, Münchenbuchsee) geht es nicht an, dass bei den Spitälern, der Polizei, den Schulen gespart werde, nicht aber bei der Kultur. «Die Unterstützung des Zentrums Paul Klee gehört nicht zu den zentralen Staatsaufgaben», sagte Löffel. Es gehe beim ZPK, im Unterschied zu den Spitälern, nicht um Leben und Tod. Ruedi Löffel und andere Kritiker stören sich auch an der Art und Weise, wie die monetären Begehrlichkeiten gestellt werden. «Es ist nicht akzeptabel, dass wir scheibchenweise über Kredite abstimmen müssen», sagte Löffel. 

EVP-Grossrat Ruedi Löffel ist gegen den Investitionskredit
EVP-Grossrat Ruedi Löffel ist gegen den Investitionskredit

Für SVP-Fraktionschef Peter Brand (Münchenbuchsee) liegt der Hauptgrund seiner ablehnenden Haltung in den «unklaren Strukturen». Seine Parteikollegin Béatrice Struchen (Epsach) wollte den Investitionskredit mit der Bedingung verknüpfen, dass das ZPK und das Kunstmuseum an der Hodlerstrasse mit ihren Fusionsverhandlungen vorwärtsmachen. Dies wiederum findet der grüne Erziehungsdirektor Bernhard Pulver keine gute Idee. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun.

 

Für Mathias Tromp (BDP, Bern) ist das ZPK «too big to fail». Es müsse aber das letzte Mal sein, dass über einen Zusatzkredit abgestimmt werden müsse. Der ehemalige Präsident von Bern Tourismus ist mit diesem Anliegen nicht allein: Eine grosse Mehrheit stimmte der Motion von Jakob Etter (BDP, Treiten) zu. Sie verlangt vom Regierungsrat bis Ende 2013 einen Bericht über das ZPK mit folgenden Punkten:

- mögliche Zusammenarbeitsformen mit dem Kunstmuseum

- umfassender Businessplan für die folgenden fünf Jahre

- Strategie, wie das ZPK in Zukunft mit den bisher gewährten Subventionen langfristig eine ausgeglichene Rechnung präsentieren kann.

 

Erschienen in der BZ am 23. November 2012

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Claude Chatelain