"Das Fukushima der Banken"

Blick-Redaktor Henry Habegger
Blick-Redaktor Henry Habegger

Henry Habegger vom "Blick" ist ein Freund von mir. Politisch sind wir häufig nicht gleicher Meinung. Doch was er heute auf dem Boulevard kommentiert, kann ich unterschreiben. Hier sein Kommentar:

 

"Ob skrupelloser Einzeltäter, ob Zockerei einer Abteilung, ob unter Duldung der Chefetage – klar ist nach dem neusten Milliarden-Flop bei der UBS: Die Grossbanken sind Zeitbomben. Sie sind für die Volkswirtschaft ebenso gefährlich wie Atomkraftwerke für die Umwelt. 

London ist das Fukushima der Banken. Bei den Atomkraftwerken ist die Technik das Problem. Bei den Banken ist es der Mensch. Genauer gesagt: Die Gier. Investmentbanker sind auf den schnellen Super-Gewinn abgerichtet. Gelingts, werden sie reich. Misslingts, passiert meist nichts. Nur selten landet einer, wie jetzt, hinter Gittern.

 

Zu viel Geld verdirbt den Charakter. Nicht nur bei Investmentbankern. Immer wieder muss der Staat Banker retten, die mit krimineller Energie unermessliches Schadenspotenzial schaffen. Das zeigt der neue Steuerstreit mit den USA. Gierige Banker und Banken konnten es nicht lassen, unversteuerte Gelder ehemaliger UBS-Kunden zu verstecken.

 

Etwas immerhin zeigt sich dank UBS-Flop und US-Steuerstreit: Die Banker sind unbelehrbar. Gefordert sind jetzt vorab jene bürgerlichen Politiker, die immer noch auf Selbstverantwortung setzen. Nur gibt es die bei diesen Bankern nicht.

 

Es braucht Verbote. Mindestens für systemrelevante Banken müssen Investmentbanking und Eigenhandel verboten werden. Und die Finanzmarktaufsicht muss Banker, die bei Steuerbschiss helfen, mit Berufsverbot belegen.

Neben der Energiewende muss die Politik jetzt auch für die Bankenwende sorgen.
Henry Habegger".

 

Erschienen im BZ-Blog am 17. September 2011

Claude Chatelain