Leibrente: Verzichten Sie auf die Rückgewähr

Rentenversicherungen sind derzeit wegen der tiefen Zinsen kaum gefragt. Deshalb verzichtet man vorzugsweise auf die Prämienrückgewähr und erhält dadurch eine bis um 20 Prozent höhere Rente.

Mit oder ohne Rückgewähr? Diese Frage müsste beantworten, wer eine Rentenversicherung abschliesst. Die meisten schliessen einen Vertrag mit Rückgewähr ab. Das bedeutet, dass beim Tod die einbezahlten Prämien abzüglich bereits bezogener Renten den Erben ausbezahlt werden. Gerade einmal 10 Prozent der von der Bâloise verkauften Leibrentenversicherungen kommen ohne Prämienrückgewähr daher. Bei der Vaudoise sind es knapp 20 Prozent, derweil die Generali die Variante ohne Rückgewähr gar nicht im Sortiment führt. Dabei spricht einiges dafür, auf die Rückgewähr und damit auf die Begünstigung der Erben zu verzichten. Zu denken sei in erster Linie an die Höhe der Rente: Sie fällt bei der Variante ohne Rückgewähr um 14 bis 20 Prozent höher aus als bei der Variante mit Rückgewähr.

Hinzu kommen noch steuerliche Nachteile:

• Auf der Einmalprämie ist bei der Variante mit Rückgewähr eine Stempelsteuer von 2,5 Prozent zu bezahlen, was die Rendite zusätzlich schmälert;

• Wird beim Tod den Erben das Rückgewährkapital ausbezahlt, müssen sie dieses zum Vorsorgetarif als Einkommen versteuern.

• Handelt es sich um eine aufgeschobene Leibrente, so unterliegt der Steuerwert während der Aufschubphase der Vermögenssteuer. Sobald die Rente zu fliessen beginnt, ist der Versicherungswert ab 2013 ebenfalls als Vermögen zu versteuern. Das gilt nur für die Variante mit Rückgewähr, nicht aber für jene ohne Rückgewähr.

 

Warum schliesst der grösste Teil der Versicherten die Variante mit Rückgewähr ab, wenn doch einiges dagegen spricht? «Die Leute wollen nicht, dass die Erben leer ausgehen», lautet die Standardantwort von Versicherungsberatern. Ein anderer Grund liegt bei der Versicherungsgesellschaft: Sie verkauft lieber die Variante mit Rückgewähr. Wenn ein Kunde für teures Geld eine Rentenversicherung ohne Rückgewähr abschliesst und kurz danach verstirbt, handelt sich der Versicherer unter Umständen Ärger ein. Er muss sich allenfalls gegen den Vorwurf wehren, einen älteren Menschen falsch beraten, im schlimmsten Fall über den Tisch gezogen zu haben. Um solchen Diskussionen und einem kostspieligen juristischen Nachspiel aus dem Weg zu gehen, verlangen gewisse Versicherungsgesellschaften, dass der Kunde auf einem Formular ausdrücklich festhält, dass er auf die Rückgewähr verzichten will.

 

«Leibrentenversicherungen sind derzeit wegen der tiefen Zinsen nicht sonderlich gefragt», sagt Stefan Walther vom Versicherungsbroker Roth Gygax und Partner aus Gümligen. Ein Grund mehr, auf die Rückgewähr zu verzichten.

 

Erschienen in de BZ am 13. Oktober 2012

 

Claude Chatelain