Vierte Säule: Die Banken schrieben das Drehbuch zur griechischen Tragödie

Die Stadt Athen - von oben sieht sie friedlich aus
Die Stadt Athen - von oben sieht sie friedlich aus

Lange beherrschten Obama, Romney, Sandy und der britische Agent 007 die Schlagzeilen. Jetzt  haben sich  die Griechen zurückgemeldet. Das griechische Parlament stimmte einem weiteren Sparpaket zu. Kein Wunder, der Schuldenberg wird  – je nach Schätzung –  189 Prozent des Bruttoinlandproduktes ausmachen. Man muss sich das mal vorstellen: Würde man die Summe aller Löhne und Zinseinkommen eines ganzen Jahres zur Schuldentilgung verwenden, so wäre die Last  immer noch nicht abgetragen.  

Man kann den Griechen noch manches Sparpaket aufzwingen – sie werden das Schuldenproblem nicht alleine lösen können. Es müssen ihnen weitere  Schulden erlassen werden. «Die Lage in Griechenland ist vergleichbar mit einem Privathaushalt, der unverantwortlich gewirtschaftet hat, jetzt pleiteging und sich niemals mehr aus eigener Kraft sanieren kann. Das muss man endlich einmal anerkennen», sagte der Würzburger Volkswirtschaftsprofessor Peter Bofinger im «Tages-Anzeiger».

 

Nicht nur die Griechen haben unverantwortlich gewirtschaftet, auch die europäischen Banken. Sie offerierten dem korrupten Staat jahrelang viel zu günstige Kredite. Hätten die Griechen für ihre Staatsanleihen entsprechend ihrer Kreditwürdigkeit höhere Zinsen zahlen müssen, hätten sie sich nicht in gleichem Masse verschulden können.


Die europäischen Banken sind auch schuld an der griechischen Tragödie. Für ihre grobfahrlässige Kreditvergabe haben sie zum Teil ihre Zeche bezahlt, indem sie die maroden griechischen Staatsanleihen mit Verlust an die Europäische Zentralbank verkauften. Auch  beim ersten Schuldenschnitt mussten sie bluten. Ist das genug angesichts der Tatsache, dass sie bei einer  verantwortungsvollen Kreditpolitik gar nie so hohe und so günstige Kredite hätten vergeben dürfen? Ich bezweifle es.


Der guten Ordnung halber sei noch  festgehalten, dass UBS und CS von diesem Vorwurf ausgenommen sind. Was Griechenland  betrifft, handelten sie vorbildlich. Sie haben praktisch keine griechischen Anleihen in ihren Büchern. 

 

Erschienen in der BZ am 13. November 2012

 

 

 

 

Claude Chatelain