Vierte Säule: Braucht es überhaupt noch Regionalbanken?

Wir haben im Kanton Bern zwei Grossbanken; eine Kantonalbank mit einem dichten Filialnetz; die Raiffeisenbanken mit einem noch engmaschigeren Netz, die überregionale Valiant-Bank, und dann gibt es auch noch Postfinance, welche in zunehmendem Masse Bankgeschäfte betreibt. Braucht es daneben  noch Regionalbanken? 

Diese Frage erhielt am Samstag Aktualität, weil die Aktionäre der Spar- und Leihkasse Münsingen (SLM) eine Fusion mit der Bernerlandbank aus Sumiswald ablehnten.  Hätten sie der Fusion zugestimmt, so wäre eine  überregionale Bank mit dem Namen Bank Bernerland AG entstanden.

 

Eine Regionalbank ist eine Bank von der Region für die Region. Sie beschäftigt Leute aus der Gegend. Die Wohnbevölkerung identifiziert sich mit ihrer Bank. In der Geschäftsleitung und im Verwaltungsrat sitzen Leute aus der Gegend. Sie kennen praktisch jeden Betrieb im Marktgebiet. Sie kennen auch jede Gemeinde.  Man besuche nur mal eine Aktionärsversammlung der SB Saanen Bank in der Curlinghalle in Gstaad. Das ist der grösste gesellschaftliche Anlass  im Saanenland. Über 400 Leute aus Saanen, Gstaad und den umliegenden Gemeinden finden sich ein; mehr als an einer Gemeindeversammlung. Für viele ist das wie eine Klassenzusammenkunft. Man kennt sich. 

Auch in der Tennishalle in Münsingen kennt man sich, wo die SLM-Aktionäre alle Jahre ihre Aufwartung machen. Ein Aktionär meinte am Samstag, man könne an der Aktionärsversammlung Familienanglegenheiten  besprechen. Er wolle nicht, dass die Versammlung «seiner» Bank in Zukunft in Langnau abgehalten werde.

 

Was hat ein Aaretaler mit einem Emmentaler am Hut? Was weiss ein Verwaltungsrat aus dem Aaretal  über Sumiswald, Wyssachen, Dürrenroth oder Madiswil? Regionalbanken spielen eine gesellschaftspolitische Rolle. Diese Rolle  hätte eine  Bank Bernerland mit Hauptsitz  Münsingen und einem überregionalen Filialnetz bis nach Langenthal nicht erfüllen können.

 

Claude Chatelain