UBS mit abgespeckter Investmentbank lässt Anleger jubeln

Die UBS wird primär noch eine Vermögensverwalterin sein. Das risikoreiche Investmentbanking fährt die Grossbank massiv zurück. Von den aktuell rund 63 500 Mitarbeitern verlieren in den nächsten drei Jahren 9000 bis 10 000 ihren Arbeitsplatz. Die Börse reagierte mit einem Kurssprung der UBS-Aktie.

«Im Vergleich zu heute wird unsere Investmentbank kleiner, weniger komplex und weniger kapitalintensiv sein», sagte gestern UBS-CEO Sergio Ermotti. Die Investoren verdankten ihm diese Neuigkeit mit einem weiteren Aktienkurssprung von knapp 5,9 Prozent. Schon am Montag legte der Kurs um über 7,3 Prozent zu.

 

Die Avance von über 13 Prozent in zwei Tagen zeigt, was Beobachter schon längst sagten, aber von den Verantwortlichen um den früheren UBS-Verwaltungsratspräsidenten Kaspar Villiger bislang ignoriert wurde: Dass nämlich die UBS als weltweit führende Vermögensverwalterin mit einer abgespeckten Investmentbank einen höheren Börsenwert aufweist als mit einer üppigen.

 

So wird sich das Investmentbanking light Marke UBS auf den Handel mit Aktien, Devisen und Metallen sowie auf Beratungen von Unternehmen konzentrieren. Das Geschäft mit festverzinslichen Anlagen wird dagegen nicht mehr weitergeführt und nach und nach liquidiert.

Der Bankenprofessor Manuel Ammann erklärte gegenüber Newsnet, dass die UBS in diesem Bereich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Das Geschäft müsse mit tiefen Margen auskommen und könne nur mit sehr hohen Positionen und Volumina betrieben werden, um profitabel zu sein. »Entsprechend hoch können die Risiken sein.» Neuer Chef im Investmentbanking wird der Italiener Andrea Orcel. Er ersetzt den Deutschen Carsten Kengeter.

 

Die Neuausrichtung des Investmentbankings überlagerte das gute Ergebnis für das dritte Quartal, welches ebenfalls gestern kommuniziert wurde. Das Investmentbanking erlitt zwar einen herben Verlust von 2,9 Milliarden Franken, was auf Wertberichtigungen und Abschreibungen zurückzuführen ist. Dies ist angesichts der neuen Strategie nachvollziehbar.

Langsame Fortschritte erzielt dagegen das Vermögensverwaltungsgeschäft der USA, genannt Wealth Management Americas, neben dem Investmentbanking ein weiteres Sorgenkind der UBS. Das Problem liegt hier nicht im Risiko, sondern in der mangelnden Rendite. Fast die Hälfte der weltweiten Vermögen von 1600 Milliarden Franken werden vom Wealth Management Americas verwaltet; doch die US-Tochter erwirtschaftete im dritten Quartal mit 247 Millionen Franken Vorsteuergewinn nicht einmal halb so hohe Gewinne wie das globale Wealth Management, welches nur unwesentlich mehr Vermögen zu verwalten hat.

 

Beeindruckend ist jedoch der Umstand, dass die UBS allein im dritten Quartal Nettozuflüsse von 12 Milliarden Franken verzeichnet. Die Credit Suisse, die ihre Zahlen am vergangenen Donnerstag bekannt gegeben hatte, brachte es auf 5,1 Milliarden Franken.

SP-Präsident Christian Levrat
SP-Präsident Christian Levrat

«Wenn dieser drastische Stellenabbau mit den neuen gesetzlichen Auflagen begründet wird, ist das nichts anderes als zynisch!», sagt SP-Präsident Christian Levrat. Indes noch zynischer wirkt der SP-Präsident mit dieser Aussage: Die SP kämpfte an vorderster Front für eine Abspaltung des Investmentbankings, was dann vom Bundesparlament ablehnt wurde. Und die SP forderte sogar noch strengere Eigenmittelvorschriften, als sie in der bereits strikten Grossbankenregulierung «Too big to fail» schliesslich verabschiedet wurden. Diese hätten einen noch grösseren Stellenabbau zur Folge gehabt als den gestern bekannt gegebenen. Man kann einen Pelz nicht waschen, ohne ihn nass zu machen.

 

Die Schweiz sei gegenüber der UBS grosszügig gewesen, meinte Levrat weiter. Nun soll die UBS wenigstens den Stellenabbau sozialverträglich gestalten, sagte er gestern in einem Radiointerview. Grosszügig war – im Nachhinein betrachtet – vor allem die UBS. Als Teil des Rettungspakets hat die Eidgenossenschaft vor vier Jahren eine Pflichtwandelanleihe von 6 Milliarden Franken in die illiquide UBS eingeschossen. Der Zinscoupon von 12,5 Prozent, den die UBS dafür bezahlen musste, grenzt schon fast an Wucher. Mit der Rettungsaktion erzielte der Bund schliesslich einen Nettoerlös von 1,2 Milliarden Franken, was einer Rendite von über 30 Prozent pro Jahr für einen Investitionszeitraum von rund 8 Monaten entspricht.

 

Erschienen in der BZ am 31. Oktober 2012

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Claude Chatelain