Die Handschrift von Axel Weber

Axel Weber, VR-Präsident der UBS
Axel Weber, VR-Präsident der UBS

Seit dem Platzen der Technologieblase Anfang Jahrhundert hat die UBS im Investmentbanking einen kumulierten Verlust von rund 30 Milliarden Franken erlitten. Bei anderen Universalbanken sieht der Leistungsausweis kaum besser aus. Und doch erklärten die Megabanken auch nach Ausbruch der Finanzkrise, am Investmentbanking festzuhalten. Sie wollen dieses umbauen, aber nicht abbauen. 

Bisher waren das vorab Lippenbekenntnisse. Doch die UBS macht nun wirklich Ernst. Und sie will das Investmentbanking nicht nur umbauen, sondern abbauen. Sie zieht sich aus Bereichen zurück, die aufgrund regulatorischer Vorschriften nicht mehr rentabel sind, sofern sie es überhaupt jemals waren. Es ist dies vor allem das Geschäft mit Anleihen, Obligationen sowie mit strukturierten Produkten. Damit ist die Absicht des Gesetzgebers in der Schweiz wie auch der internationalen Aufsichtsgremien aufgegangen. Je risikoträchtiger das Geschäft, desto höher das notwendige Eigenkapital.  

 

Drastische Einschnitte fordern Opfer: 10 000 von 64 000 Stellen sollen bis 2015 abgebaut werden. Zur Erinnerung: Die Credit Suisse beschäftigt auch heute noch gleich viele Personen wie vor Ausbruch der Finanzkrise, obschon auch sie davon gesprochen hatte, das Investmentbanking herunterzufahren. Dabei war es die Credit Suisse, die am Anfang für die strengeren Auflagen Verständnis zeigte und die «Too big to fail»-Vorlage unterstützte. Und es war die UBS unter Präsident Kaspar Villiger und CEO Oswald Grübel, die das strengere Regime kritisierte. 

 

Auf Oswald Grübel folgte Sergio Ermotti, ein Tessiner, der bei der amerikanischen Merril Lynch gross geworden ist. Wegen dieses Hintergrundes schien es anfänglich zweifelhaft, ob ein Banker amerikanischer Prägung der richtige Mann ist, um mit dem eisernen Besen das Investmentbanking auszumisten, zumal mit dem volatilen Geschäft hohe Boni zu verdienen sind. Womöglich will Ermotti mit seinem rigorosen Vorgehen gerade solche Zweifel Lügen strafen. Doch die Ausrichtung des Investmentbankings ist ein strategischer Entscheid und damit Sache des Verwaltungsrats. Man erkennt die Handschrift des neuen VR-Präsidenten Axel Weber, des ehemaligen Bundesbankers, der sein Geld mit der Aufsicht und nicht mit spekulativen Geschäften verdiente. Ursprünglich hätte die Stabübergabe von Villiger an Weber erst an der Aktionärsversammlung des nächsten Jahres erfolgen sollen. Ein Glück, dass Villiger dem Druck nachgegeben und seinem Nachfolger Axel Weber vorzeitig Platz gemacht hat.

 

Erschienen in der BZ am 31. Oktober 2012

Claude Chatelain