Die Schweiz ist für reine Charterfluggesellschaften zu klein

Hello ist und bleibt am Boden
Hello ist und bleibt am Boden

Ein Grosskunde geht weg; ein Finanzchef türkt die Zahlen – und schon muss die Fluggesellschaft Hello ihre Bilanz deponieren. Die Frage drängt sich auf: Kann eine unabhängige Charterfluggesellschaft in der Schweiz überleben?

Bekannt sind Namen wie Balair oder CTA. Die einstigen Charterfluggesellschaften gibt es nicht mehr. 1995 gründete Kuoni mit Edelweiss Air ihren eigenen Charter. Edelweiss blühte mehr schlecht als recht, sodass der Reiseveranstalter vor vier Jahren seine Tochter der deutschen Lufthansa verkaufte. Kuoni verzichtet seither auf das Risiko, dass die Flugzeuge zu wenig ausgelastet sind und mehr Geld kosten, als sie einbringen. Doch Hello mit ihren vier Airbussen trug dieses Risiko selber. Und da zwei französische Grosskunden zahlungsunfähig wurden, mit TUI Deutschland ein Grosskunde abgesprungen ist und darüber hinaus auch noch die Treibstoffkosten steigen, bleiben die Airbusse am Boden. Dass zudem auch noch der frühere Finanzchef dem Verwaltungsrat falsche Zahlen vorlegte, hat das bereits volle Fass zum Überlaufen gebracht.

 

Es ist nicht auszuschliessen, dass die von Moritz Suter gegründete Fluggesellschaft frisches Kapital aufnehmen kann und später wieder fliegen wird. Doch wie die Zukunft von Hello auch aussehen wird – in der Schweiz weht für reine Charterfluggesellschaften ohne finanzkräftige Mutter ein kalter Wind. Der Schweizer Markt ist zu klein. Auch auf deutlich grösseren Märkten tun sich Charterfluggesellschaften schwer. Man denke an die deutsche LTU oder die niederländische Martinair. Beide Marken sind im Charterflugverkehr verschwunden. Einzig in England und Skandinavien scheinen Charterfluggesellschaften gut zu leben, was auf die insulare und periphere Lage zurückzuführen ist. Zudem gibt es in diesen Ländern weniger Linienflüge.

 

Das Chartergeschäft hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Die Reiseveranstalter sind immer weniger bereit, ganze Flugzeuge zu mieten und das Risiko leerer Sitze zu übernehmen. Dies umso mehr, da Linienfluggesellschaften auf zahlreichen Strecken reichlich Kapazität zur Verfügung stellen. Reiseveranstalter handeln nach der Devise: «Weg von den fixen Risiken hin zum tagesaktuellen, dynamischen Flugeinkauf.»

Hello-Gründer Moritz Suter
Hello-Gründer Moritz Suter

Moritz Suter hatte nicht immer nur Erfolg. Doch mit der Gründung der in der Swiss aufgegangenen Crossair hatte der ehemalige Swissair-Pilot unternehmerisches Können bewiesen. Nun erlebt Suter als Gründer, VR-Präsident und Grossaktionär von Hello erneut ein Grounding. Wenn der Airlinepionier Suter eine unabhängige Charterfluggesellschaft nicht in der Luft halten kann – wer denn sonst?

 

Erschienen in der BZ am 23. Oktober 2012

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Claude Chatelain