Aktienfonds: Der richtige Mix ist entscheidend

Ein Aktienfonds ist nicht einfach ein Aktienfonds. Das zeigen die zum Teil enorm hohen Renditeunterschiede zwischen angeblich identischen Produkten. Darauf ist bei der Auswahl zu achten.

Interessiert an einem Anlagefonds für Schweizer Aktien? Oder an einem Japan-Fonds? Oder einem Biotechfonds? Allein in der Kategorie «Aktien Schweiz Standardwerte» bieten 90 Fondsgesellschaften einen oder mehrere Aktienfonds an. Laut der Firma Morningstar schwankt die Dreijahrperformance der Fonds für Schweizer Standardwerte zwischen minus 16 und plus 28 Prozent – trotz des beschränkten Anlageuniversums von rund zwei Dutzend Aktien. Standardwerte sind gross kapitalisierte Unternehmen wie Nestlé, Novartis, UBS oder Swisscom, deren Kursverlauf im Swiss-Market-Index abgebildet wird. Daneben gibt es eine Reihe von Anlagefonds, welche in kleine und mittelgrosse Aktiengesellschaften investieren, sogenannte Nebenwerte. Auch hier sind enorme Renditeunterschiede zu beobachten.

 

Kostenunterschiede führen zu Renditeunterschieden

 

Unterschiedliche Gewichtungen der einzelnen Aktien und vor allem unterschiedlich hohe Kosten können zu erheblichen Renditeunterschieden führen, obschon sich die meisten Fonds am gleichen Börsenindex orientieren. Mit Kosten ist hier nicht die Ausgabekommission gemeint, welche in der Renditeberechnung nicht erfasst werden kann. Gemeint sind vielmehr die inneren Kosten, die direkt dem Fondsvermögen belastet werden.

 

Die Bank offeriert das eigene und nicht das beste Produkt

 

Die meisten Anlegerinnen und Anleger kaufen das Produkt ihrer Hausbank, weil ihnen das so empfohlen wird und sie dadurch in den Genuss einer tieferen Ausgabekommission kommen. Damit kauft man aber nicht unbedingt das beste Produkt. Gewiss, welcher Fonds der beste ist, weiss man erst im Nachhinein. Und doch lohnt es sich, vorher die Faktenblätter zu studieren. Sie enthalten die wichtigsten Informationen. Beachtet man folgende Punkte, reduziert man das Risiko, auf das falsche Pferd zu setzen.

 

Die Performance: Vergangene Renditen sind kein Garant dafür, dass der Aktienfonds auch in Zukunft überdurchschnittlich gut abschneiden wird. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein erfolgreicher Fonds auch künftig eine überdurchschnittliche Rendite erzielt, ist gemäss Studien grösser als 50 Prozent. Das ist unter anderem damit zu erklären, dass Anleger jene Anlagefonds mit einer schlechten Performance meiden. Und wenn Geld abgezogen wird, ist es fürs Fondsmanagement ungleich schwieriger, besser zu wirtschaften als die Konkurrenz.

 

Ausgabekommission: Diese Gebühr wird nur einmal beim Kauf von Fondsanteilen erhoben. Sie beträgt je nach Anbieter 0,5 bis 5 Prozent. Bei börsengehandelten Anlagefonds, den Exchange Traded Funds (ETF), zahlt man bei Kauf und Verkauf eine Courtage.

 

Total Expense Ratio (TER): Die TER hat sich als die aussagekräftigste Kostenkennziffer etabliert. Die Prozentzahl gibt Aufschluss darüber, wie hoch die inneren Kosten anfallen, die direkt dem Fondsvermögen belastet werden und damit die Rendite schmälern. Es lohnt sich, die TER ausgewählter Fonds zu vergleichen.

 

Das Fondsvolumen: Gemäss einer Faustregel sollte man keine Fonds kaufen mit einem Vermögen von unter 100 Millionen Franken. Ausnahmen gibt es bei kleineren Märkten, bei welchen gar nicht genug Aktien im Umlauf sind, damit mehrere Fonds- anbieter mehrere Hundert Millionen Franken anlegen können. Das gilt etwa für aufstrebende Länder Osteuropas.

 

Das Management: Wird der Manager dauernd ausgewechselt, ist das ein schlechtes Zeichen. Gewisse Fondsgesellschaften, etwa die Credit Suisse, schreiben daher auf dem Faktenblatt, seit wann der Manager die Geschicke des Fonds leitet.

 

Fondssparplan: Wer auf Fondssparpläne schwört und somit periodisch in einen Aktienfonds investieren will, muss darauf achten, dass nicht jeder Fonds auch in Form eines Sparplans zu haben ist. Die Postfinance beispielsweise achtet bei der Auswahl der ins Sortiment aufgenommenen Anlagefonds, dass man die Fondsanteile in Form eines Sparplans erwerben kann.

 

Erschienen in der BZ am 23. Oktobe 2012

Claude Chatelain