Die teuersten Patienten kosten über 2 Millionen

Die Krankenkassen zahlen in der Grundversicherung Leistungen im Umfang von rund 26 Milliarden Franken pro Jahr. 21 Prozent dieser Kosten entfallen auf 1 Prozent der Versicherten. Und nur 5 Prozent der Versicherten verursachen über die Hälfte der von den Krankenkassen vergüteten Leistungen.

Die teuersten Patienten sind nicht unbedingt jene, die teure Operationen über sich ergehen lassen müssen.
Die teuersten Patienten sind nicht unbedingt jene, die teure Operationen über sich ergehen lassen müssen.

Was sind das für Leiden, die derart hohe Kosten verursachen? Bei der Stadtberner Krankenkasse Atupri beanspruchte der kostenintensivste Versicherte im vergangenen Jahr Leistungen von 266’000 Franken. Es ging dabei um mehrere Krankheiten, die im weitesten Sinne als Versagen des Immunsystems zusammengefasst werden können. Auch bei den anderen Versicherten mit Behandlungskosten von über 200 000 Franken pro Jahr kommen laut Atupri meistens mehrere Krankheiten zusammen. Die häufigsten sind Herz-Kreislauf-Krankheiten, Organversagen, Transplantationen und Krebserkrankungen.

 

Mit 200’000 Franken ist Atupri noch gut bedient. Visana bezahlte für eine noch nicht pensionierte Frau mit Magen-Darm-Problemen Leistungen im Betrag von 2,3 Millionen Franken im Jahr. Darin inbegriffen sind mehrere Aufenthalte in Spitälern und Pflegeheimen. Bei der Swica-Gesundheitsorganisation mit Hauptsitz Winterthur sorgte die seltene, zu Muskelschwund führende Stoffwechselkrankheit Morbus Pompe für die teuerste Therapie. Sie kostete zwischen 400 000 und 500 000 Franken. Dies wegen des Medikamentes Myozyme, welches allein über 300 000 Franken pro Jahr kostet. Vor zwei Jahren befand das Bundesgericht, die Kassen müssten die Kosten für das Medikament nicht übernehmen, da dessen Wirksamkeit zu wenig nachgewiesen sei. Doch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) setzte darauf das Medikament der amerikanischen Herstellerfirma Genzyme auf die Spezialitätenliste, sodass die Kassen die Kosten decken müssen. Ebenfalls bei der Berner Krankenkasse KPT war es eine Stoffwechselkrankheit, welche zu den höchsten Kosten führte. Die Behandlung belief sich in einem konkreten Fall auf 530 000 Franken im Jahr – und auch hier vorwiegend wegen des teuren Medikamentes.

 

Bei der CSS, dem zweitgrössten Krankenversicherer in der Schweiz, waren die drei teuersten Behandlungen im vergangenen Jahr auf seltene Erbkrankheiten zurückzuführen: Die Kosten beliefen sich auf 1,3 Millionen, 750 000 und 700 000 Franken.

 

Es sind demnach nicht die Herztransplantationen, welche die ganz hohen Kosten verursachen. Eine Herztransplantation kostet nach Angaben der Association Suisse des Transplantés etwa 100 000 Franken. Wenn man bedenkt, dass in der Schweiz pro Jahr um die 40 Herzen transplantiert werden, so fallen diese 4 Millionen Franken kaum ins Gewicht.

 

Erschienen in der BZ am 17. Oktober 2012

 

Claude Chatelain