(Fast) die wichtigste Versicherung

Erwachsene Söhne und Töchter wiegen sich häufig in falscher Sicherheit, solange sie noch bei den Eltern wohnen. Keine bösen Überraschungen sind bei Vaudoise, Generali, CSS, Basler und Allianz Suisse zu erwarten.

Ist die erwachsene Tochter links im Bild erwerbstätig? Dann unbedingt klären, ob sie in der Familienpolice gegen Privathaftpflicht versichert ist. (Bild: Keystone )
Ist die erwachsene Tochter links im Bild erwerbstätig? Dann unbedingt klären, ob sie in der Familienpolice gegen Privathaftpflicht versichert ist. (Bild: Keystone )

Einige Beachtung erlangte jener 23-jährige Mann, der auf der Skipiste in Engelberg in eine Frau raste. Die Frau wurde verletzt und klagte. Die Schadenersatzforderungen beliefen sich auf zwei Millionen Franken. Das war vor rund zehn Jahren.

 

Unfälle auf Skipisten wären ein Fall für die Privathaftpflichtversicherung – wäre, sofern man überhaupt versichert ist. Da die Versicherungspolice jeweils auf die Familie lautet, wähnte sich der junge Skifahrer versichert, schliesslich wohnte er ja noch bei seinen Eltern. Das Kleingedruckte der Familienpolice sagte aber etwas anderes: Der Versicherungsschutz des 23 Jahre alten Sohnes war mit Aufnahme der Erwerbstätigkeit erloschen. Die Klagen trieben den Mann finanziell in den Ruin und persönlich an den Rand eines Suizidversuchs, wie er damals der «Luzerner Zeitung» erzählte.

 

Falsche Sicherheit

Gerade bei jungen Erwachsenen besteht die Gefahr, dass sie sich in falscher Sicherheit wiegen und gar nicht mehr versichert sind. Wann aber der Versicherungsschutz erlischt, ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. Massgebend sind Alter, Zivilstand, Erwerbstätigkeit und die Frage, ob der junge Erwachsene noch bei den Eltern wohnt.

Vorbildlich sind Basler, CSS, Generali, Allianz Suisse und Vaudoise: Hier ist versichert, wer im gleichen Haushalt wohnt. Das macht es einfach und eliminiert die Fallstricke. Bei der Visana oder der Zürich müssen die versicherten Personen in der Police erwähnt sein. Hier sind Fallstricke programmiert. Wenn ein bereits ausgeflogener Sohn oder eine Tochter wieder in den Haushalt zurückkehrt, könnte leicht vergessen gehen, dies der Versicherung zu melden. Und bei der Mobiliar oder der Axa Winterthur könnte einer versicherten Person genau das geschehen, was dem 23-jährigen Skifahrer in Engelberg widerfahren ist.

 

Prämie: 100 bis 150 Franken

Die Prämie für eine Privathaftpflichtversicherung beträgt zwischen 100 und 150 Franken im Jahr. Wer hier spart, spart am falschen Ort. Es kommt zwar selten vor, dass ein Haftpflichtschaden Millionen von Franken verursacht. Aber es kommt vor, wie der Fall des Skifahrers in Engelberg zeigt. Die Privathaftpflichtversicherung ist daher ein absolutes Muss. Es wäre wohl nicht falsch, die Privathaftpflicht analog der Autohaftpflicht oder der Krankenversicherung als obligatorisch zu erklären.

Die Privathaftpflichtversicherung ist ein klassisches Beispiel für die Beantwortung der Frage, inwieweit eine Versicherung notwendig oder überflüssig ist: Notwendig ist eine Versicherung, wenn ein mögliches Schadenereignis zum Ruin führen würde. Experten sprechen hier von einer geringen Eintrittswahrscheinlichkeit mit einem grossen Schadenpotenzial. Überflüssig oder zumindest fragwürdig ist eine Versicherung dann, wenn die versicherte Schadensumme so tief angesetzt wird, dass man den Schaden aus dem eigenen Sack zu bezahlen vermag. Zu denken sei etwa an Zahnversicherungen, bei welchen die maximale Leistung der Krankenkasse auf 500 Franken beschränkt ist. Solche Versicherungen haben den Charakter einer Wette.

 

Infothek


Privathaftpflicht: Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Prämienvergleich stehen. Doch obschon es sich bei der Privathaftpflichtversicherung um ein leicht verständliches Produkt handelt, hätte die Prämientabelle mit Fussnoten für allerhand Ausnahmen angereichert werden müssen, sodass die Liste der Fussnoten länger geworden wäre als die Prämientabelle selber.

Darauf ist zu achten: 
Versicherte Personen: In der unten stehenden Übersicht geht es nur um Personen, die im gleichen Haushalt leben wie der Policeninhaber. Etwa beim Krankenversicherer CSS und bei der Generali sind aber auch jene nicht erwerbstätigen Kinder bis Alter 25 versichert, die nicht im gleichen Haushalt wohnen. Und bei gewissen Versicherern sind alle Hausgenossen versichert, sofern sie in der Police namentlich aufgeführt sind. 

Mehrpersonenhaushalt: Sind Tochter oder Sohn erwerbstätig, sind sie häufig nicht mehr in der Familienpolice versichert. Wo jedoch das Kind nur bei der Mutter oder nur beim Vater wohnt, ist es zumindest bei der Mobiliar weiterhin versichert. Dies unter dem Titel «Die mit dem Versicherungsnehmer zusammenlebende Person». 

Kombirabatt: Die Privathaftpflicht wird häufig zusammen mit der Hausratversicherung abgeschlossen. Deshalb gewähren etliche Versicherer Kombirabatte. Bei der Helvetia beispielsweise beträgt die Prämie für die Privathaftpflichtversicherung je nach Kombirabatt zwischen 119.40 und 149.20 Franken. 

Jahresprämie: Bei mehrjährigen Verträgen gibt es manchmal einen Treuerabatt, bei der Generali beispielsweise einen von 15 Prozent. 

Stempelsteuer: Bei Prämienvergleichen ist darauf zu achten, dass die Offerte inklusive Stempelsteuer daherkommt. Sie beträgt 5 Prozent. 

Mieterschäden: Mieter zahlen höhere Prämien als Vermieter. Dies aus dem einfachen Grund, weil beim Auszug aus der Wohnung die vom Mieter verschuldeten Schäden von der Privathaftpflichtversicherung bezahlt werden. 

Selbstbehalt: Meistens verlangen die Versicherungsgesellschaften einen Selbstbehalt von 200 Franken. Es gibt auch Versicherer, die je nach Art des Schadens unterschiedliche Selbstbehalte in Rechnung stellen. Zurich Connect verlangt nur bei Mieterschäden einen Selbstbehalt von mindestens 200 Franken. Und die CSS verlangt bei Mieterschäden einen Selbstbehalt von 100 Franken pro Raum, nicht pro Wohnung.

 

Claude Chatelain