«Reis gehört auf den Teller, nicht ins Depot»

Sind Indexprodukte wirklich das Gelbe vom Ei? Und soll man sein Depot wirklich international diversifizieren? Der Berner Finanzplaner Markus Glauser meint nein und stellt 13 Prinzipien auf.

Selbst Kleinanleger können über Finanzprodukte in allerlei Nahrungsmittel investieren, so wie etwa in Reis.
Selbst Kleinanleger können über Finanzprodukte in allerlei Nahrungsmittel investieren, so wie etwa in Reis.

Bekannt sind die acht Gebote der Geldanlage von Professor Erwin Heri, einem fleissigen Buchautor. Er empfiehlt unter anderem, nicht nach kurzfristigen Gewinnen zu trachten. Auch Früchte reifen nur langsam. Nicht minder fleissig ist ein anderer Professor und Verfasser von Fachbüchern: Walter Wittmann. In seinem Buch «Wie man erfolgreich investiert» stellte er zehn goldene Regeln auf.

 

Der Berner Finanzplaner Markus Glauser geht noch weiter und beschreibt in einer Broschüre «Die 13 Prinzipien des intelligenten Investierens». Im Unterschied zu den genannten Professoren hat Glauser täglich Kontakt mit Kunden. Was er empfiehlt, muss er täglich umsetzen.

 

 

 

Markus Glauser, Finanzplaner
Markus Glauser, Finanzplaner

1
Einfach statt kompliziert: Kaufen Sie keine komplexen Anlagelösungen, die Sie (und auch Ihr Berater) nicht verstehen.

 

2
Zuerst Planen, dann investieren: Geld, das Sie in den nächsten 10 Jahren für den Lebensunterhalt benötigen, deponieren Sie am besten auf einem Sparkonto oder in mündelsicheren Obligationen.

3
Sicherheit ist relativ: Investieren Sie nur geringfügig in Aktien, wenn Ihnen Kursschwankungen den Schlaf rauben. Amortisieren sie besser die Hypothekarschulden oder setzen Sie auf Sparkonti oder mündelsichere Obligationen.

 

4
Nicht zu viel auf eine Karte setzen: Verteilen Sie Ihre Anlagen möglichst breit und vermeiden Sie Klumpenrisiken. Achten Sie auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Geld- und Sachwerten.

5
investieren statt spekulieren: Investieren Sie langfristig in solide Unternehmen, nicht in Börsenkurse oder Indizes, und überlassen Sie das Spekulieren getrost anderen.

6
Die Gefahr von Scheinsicherheiten: Kaufen Sie nur Anleihen erster Bonität. «Mit Obligationen gut schlafen, mit Aktien gut essen», sagt André Kostolany. Auf diese Weisheit ist in Krisenzeiten nur bei erstklassigen Obligationen Verlass.

 

7
Der Franken ist bärenstark: Für Schweizerinnen und Schweizer ist es sinnvoll, vorwiegend in der Heimwährung zu investieren. Betrachten Sie Wertschriften in anderen Währungen höchstens als Portfolioergänzung.

 

8
Reis gehört in den Teller, nicht ins Depot: Cash, Aktien, Obligationen und Grundeigentum genügen. Vermeiden Sie die vermeintlich attraktiven Innovationen der Finanzindustrie.

 

9
Mogelpackungen und Etikettenschwindel: Der clevere Anleger macht einen grossen Bogen um die Angebote der Finanzindustrie und investiert – wo möglich und sinnvoll – direkt und kostengünstig in Einzeltitel.

10
Wer zur Quelle gelangen will, muss gegen den Strom schwimmen: Achten Sie darauf, dass Ihre Anlagestrategie durch Marktbewegungen nicht aus dem Lot gerät. Setzen Sie auf ein periodisches, emotionsloses und systematisches Austarieren der Vermögensaufteilung. Im Fachjargon: Rebalancing.

 

11
Ignorieren Sie die Prognosen: Finanzmarktprognosen und Anlageempfehlungen sind wertlos. Hören Sie also gar nicht hin. Denn der Faktor Zufall ist der wesentlich bessere Erklärungsansatz als die Prognosefähigkeit der Analysten.

12
Von der Vergangenheit lässt sich nur bedingt auf die Zukunft schliessen: Nehmen Sie sich in Acht vor Verkaufsargumenten, die aus vergangenheitsbezogenen statistischen Kennzahlen konstruiert werden.

 

13
Interessenkonflikte führen zu Enttäuschungen: Prüfen Sie genau, ob Ihr Berater ausschliesslich Ihren Interessen verpflichtet ist. Verwechseln Sie nie einen Verkäufer mit einem Berater.

 

Unkonventionelle Tipps

Experten sind sich ob solcher Ratschläge meistens einig. Unterschiedlich ist höchstens die Gewichtung. Doch Markus Glauser, der die Broschüre zum 15-jährigen Bestehen von Glauser+Partner herausgegeben hat, publiziert zum Teil unkonventionelle Empfehlungen. Neutrale Experten, die nicht im Sold von Banken stehen, empfehlen meistens Indexfonds, also einen Korb von Wertschriften, der analog einem Börsenindex investiert ist. Für Glauser jedoch genügen 15 Einzeltitel aus verschiedenen Branchen im Schweizer Aktienmarkt. So könne das Titelrisiko eliminiert werden. Dazu brauche es nicht 500'000 Franken, wie das von der Branche verbreitet wird. «100'000 Franken reichen», meint Glauser.

 

Von einer internationalen Streuung hält der Finanzplaner wenig. Denn das Verhältnis zwischen Chancen und Risiken sei bei Fremdwährungen unvorteilhaft. Daher sollten Schweizer vorwiegend in der Heimwährung investieren. Zumindest in der Vergangenheit war dieser Rat nicht abwegig, wenn man bedenkt, wie der Franken gegenüber allen anderen Währungen immer stärker wurde.

 

Erschienen in der BZ am 18. September 2012

Claude Chatelain