BVG-Versicherte haben (nicht) jederzeit Zugriff auf ihre Daten

Wenn der Arbeitgeber die berufliche Vorsorge bei einer Lebensversicherung abschliesst, können Arbeitnehmer nicht auf eine individuelle Beratung hoffen. Das ändert sich. Die Baloise zeigt, wie sie die Versicherten online berät.

Die grossen Firmen betreiben ihre eigene Pensionskasse. Doch die grosse Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hat die berufliche Vorsorge ihrer Mitarbeiter an eine Lebensversicherungsgesellschaft delegiert. Somit versichern Swiss Life, Axa, Baloise, Allianz Suisse, Helvetia und Pax fast die Hälfte der 3,34 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Hat eine dieser 1,6 Millionen Personen eine Frage zur beruflichen Vorsorge, so wird ihr das Leben nicht einfach gemacht. Sie hat keine Kontaktperson bei der Versicherung, die sie beraten würde. Somit muss sie sich an die Personalabteilung ihres Unternehmens wenden. Diese wird die Frage an die Versicherung weiterleiten. Ist man im Besitz der Antwort, die man via Personalabteilung erhalten hat, möchte man womöglich dieses und jenes auch noch wissen – und das Rösslispiel fängt von vorne an. Bemühend ist zudem der Umstand, dass häufig auch die zuständigen Leute auf der Personalabteilung punkto beruflicher Vorsorge nur über rudimentäre Kenntnisse verfügen. Und wenn sich eine Personalabteilung neudeutsch Human Resources nennt, ist deshalb die Kompetenz ihrer Mitarbeiter nicht automatisch höher einzustufen.

 

Das Beispiel der Basler

 

Die Versicherten der Basler Versicherungen braucht dies nicht mehr zu kümmern. Sie haben seit Anfang Jahr online Zugriff auf ihre Daten. Sie können nicht nur den aktuellsten Stand ihres Guthabens abfragen; sie können auch mit ein paar Klicks herausfinden, wie sich ein allfälliger Einkauf auf Alters- und Hinterlassenenleistungen auswirkt. Steht eine Scheidung im Raum, können sie abfragen, wie viel dem Nochehegatten ausbezahlt werden muss. Häufig wollen Versicherte mit dem Pensionskassengeld ihr Eigenheim finanzieren. Auch hier liefert das Softwareprogramm der Baloise die gewünschten Antworten. Will man beispielsweise 50 000 Franken für die Amortisation der Hypothek der Pensionskasse entnehmen, so wird das nicht nur die prognostizierte Altersrente reduzieren. Auch der Risikoschutz gegen Tod und Invalidität nimmt dadurch ab. Wie weit nun Invaliden-, Ehegatten- und Kinderrenten bei einem Vorbezug von 50 000 Franken abnehmen, sieht man auf einen Blick. Und wenn man auf dem Computer statt 50 000 zum Beispiel 70 000 Franken eingibt, ist auf dem Bildschirm ebenfalls sofort ersichtlich, dass sich in einem solchen Fall die Alters- und Risikoleistungen noch stärker reduzieren.

 

Andere werden folgen

 

Auch Axa Winterthur hat für seine BVG-Versicherten die Möglichkeit geschaffen, via Internet persönliche Daten abzufragen. Swiss Life ist derzeit im Begriff, eine ähnliche Onlinedienstleistung einzuführen. Allianz Suisse, Helvetia und Pax führen ein Onlinetool vorläufig nur für die angeschlossenen Arbeitgeber.

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Claude Chatelain