Klee-Zentrum: Wenn die Eintritte stimmen und das Geld trotzdem fehlt

Das Zentrum Paul Klee lockt mehr Besucher an als andere Berner Kunstinstitutionen. Und doch macht es grosse Verluste. Ein Vergleich mit dem Kunstmuseum Bern zeigt, wo das ZPK schwächelt.

Elegant schlängelt sich das Glasgeländer zur Eingangstür des Zentrums Paul Klee (ZPK) hoch – doch es hat einen Schönheitsfehler: Eine Glasplatte ist gesprungen, «jemand hat dagegen getreten», so Mediensprecherin Maria-Terese Cano. Nach sieben Betriebsjahren weist das ZPK eben Abnutzungserscheinungen auf, wie sie für ein Museum mit durchschnittlich 180'000 Besuchern im Jahr üblich sind. Zum gesprungenen Glas im Eingangsbereich kommen etwa überholte Sicherheitsanlagen, ausgefallene Teile der Kälteanlage oder defekte Lampen hinzu. Nicht üblich sind hingegen die hohen Instandsetzungs- und Sanierungskosten: Jede Verstrebung, jedes Fenster, jede Stellwand im ZPK ist eine Spezialanfertigung des Stararchitekten Renzo Piano, und jede Reparatur fällt entsprechend kostspielig aus.

 

Da der Betrieb des ZPK aber trotz jährlichen Subventionen in Höhe von 6,15 Millionen Franken nicht nur chronisch unterfinanziert ist, sondern der Institution auch das Geld für die fälligen Arbeiten am Bau in Höhe von 2,5 Millionen Franken fehlt, ist sie auf einen entsprechenden Kredit des Kantons Bern angewiesen.

 

Nächste Woche stimmt der Grosse Rat über einen Investitionskredit in Höhe von 1,6 Millionen Franken ab – Geld, das eigentlich die Stiftung des 2009 verstorbenen Museumsmäzens Maurice Müller zur Verfügung stellen sollte, doch dieser sind die Mittel ausgegangen. Bereits vor Baubeginn wurde 1998 in einem Rahmenvertrag geregelt, dass in diesem Fall die Subventionsgeber einspringen.

Wie kommt es, dass sich ausgerechnet jene Berner Kunstinstitution mit den höchsten Besucherzahlen und einem hohen Eigenfinanzierungsgrad von 41 Prozent in einer solch prekären finanziellen Situation befindet, während das 1879 eröffnete Kunstmuseum mit gleich ho-hen Subventionen und weniger Besuchereintritten kostendeckend arbeitet?

 

1. Spender und Sponsoren:

Beim Blick in die Erfolgsrechnung sticht eine Diskrepanz ins Auge: Beiträge Dritter. Das Kunstmuseum konnte im Geschäftsjahr 2011 unter diesem Ertragsposten 1,8 Millionen Franken verbuchen. Im Jahr zuvor waren es 1,7 Millionen Franken. Darin enthalten ist ein namhafter Betrag des Hauptsponsors Credit Suisse.

Das grössere und prestigeträchtigere ZPK brachte 2011 lediglich 349000 Franken an Spenden und Sponsorengeldern zusammen. Fazit: Das Kunstmuseum hatte 2011 nur halb so viele Besucher wie das ZPK – aber 1,5 Millionen Franken mehr Sponsorengelder und Spenden. Bei einem Gesamtertrag von knapp 10 Millionen Franken fallen anderthalb Millionen Franken entsprechend ins Gewicht.

 

2. Eigenfinanzierungsgrad:

Auch beim Eigenfinanzierungsgrad, der besagt, welchen Anteil des Gesamtertrags die Kulturinstitution selber zu erwirtschaften vermag, sticht ein Unterschied ins Auge: Beim Kunstmuseum beträgt diese Kennziffer 38,5 Prozent; beim ZPK hingegen 41 Prozent. Dass das ZPK trotz besserem Eigenfinanzierungsgrad in der finanziellen Bredouille steckt, liegt in der Kostenstruktur begründet: Beim Kunstmuseum handelt es sich um ein «reines» Museum, beim ZPK um ein Forschungszentrum. Auf den unterschiedlichen Leistungsauftrag der beiden Häuser verweist auch Erziehungsdirektor Bernhard Pulver: Das Zentrum Paul Klee habe einen umfassenderen Auftrag. Neben Kunstausstellungen führe es Musik-, Theater- und Literaturveranstaltungen durch – womöglich im Kontext mit Paul Klee. Das war eine Bedingung des Zentrumsstifters Maurice E. Müller.

 

3. Unterhaltskosten:

Klar ist, dass das ZPK, die «Pilgerstätte des internationalen Architekturtourismus» (O-Ton Erziehungsdirektion), höhere Unterhaltskosten verursacht als der Sandsteinbau an der Hodlerstrasse. Doch für die entsprechende Finanzierung kann die Institution zu wenig vorsorgen. Das Kunstmuseum auf der anderen Seite budgetiert gemäss Leistungsvertrag jährlich 300'000 Franken für die Instandhaltung des Gebäudes, den Unterhalt und Ersatz der Betriebseinrichtungen. Sonderaufwendungen werden mit Rückstellungen finanziert, etwa die im letzten Jahr getätigte Sanierung des Flachdaches für 1,3 Millionen Franken.

Beim ZPK sind für den baulichen Unterhalt 420'000 Franken vorgesehen. Dieser Betrag «beinhaltet keine substanzerhaltenden Massnahmen für das Gebäude, keine ordentlichen Ersatzbeschaffungen und weder Investitions- noch Unterhaltsaufwand für die Informatik», schreibt die Erziehungsdirektion. Deshalb beantragt die Erziehungsdirektion einen Investitionskredit von 1,6 Millionen Franken für die Jahre 2012 bis 2015. Im Unterschied zum Kunstmuseum vermochte das ZPK in den zurückliegenden Jahren keine Rückstellungen zu bilden. Deshalb ist es auch nicht in der Lage, grössere Sanierungen selber zu bezahlen.

 

4. Investitionen:

Nimmt man offizielle Kennziffern zur Hand, müsste das ZPK noch mehr Geld in den Unterhalt des Gebäudes mit den drei Wellen stecken. Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion rechnet für die Instandhaltung und Instandsetzung eines Gebäudes mit jährlich 2,3 Prozent der Bausumme. Gemessen an der Bausumme von 125 Millionen Franken müsste also das ZKP jährlich 2,88 Millionen Franken für Unterhalt und Ersatzinvestitionen haben.

 

Angesichts dieses Zahlenvergleichs ist es laut Erziehungsdirektion «offenkundig, dass in den vergangenen Jahren wie auch in der kommenden Subventionsperiode zu wenig Mittel sowohl für den Gebäudeunterhalt, die Instandsetzung wie auch für Ersatzinvestitionen eingesetzt werden können».

 

Erschienen in der BZ am 8. September 2012

 

Claude Chatelain