Vierte Säule: Jeder vierte Banker ist ein Informatiker

Jeder vierte Mitarbeiter einer Grossbank ist ein Informatiker. Streng genommen sind es sogar noch mehr, denn viele Informatikaufgaben werden ausgelagert. Das zeigt, wie schwierig das Bankwesen geworden ist. 

Besonders komplex ist die IT im globalen Banking. Die Regionalbanken mit ihrem überblickbaren Geschäftsmodell verzeichnen nicht derart hohe Kosten für die elektronische Datenverarbeitung (EDV).

 

Teuer und komplex ist die Informatik auch wegen der ständig sich ändernden und immer strengeren regulatorischen Auflagen. Das Leben wird den Universalbanken wahrlich nicht einfach gemacht. Das zeigt sich etwa am Beispiel der nun drohenden Abgeltungssteuer. Die Schweiz hat mit Deutschland, Österreich und England entsprechende Abkommen unterzeichnet. So müssen die Banken für viel Geld ihre Softwareprogramme umschreiben, um auf Anfang 2013 parat zu sein, wie das in den Steuerabkommen vorgesehen ist. Doch vielleicht treten die Abkommen gar nicht in Kraft. Vielleicht wird der deutsche Bundesrat, vielleicht das Schweizer Volk die mit viel Müh ausgehandelten Steuerabkommen ablehnen. Dann haben die Banken für die Katz gearbeitet und Millionen von Franken in den Sand gesetzt. «Wir sind uns das gewöhnt», sagte mir eine Mitarbeiterin der CS desillusioniert.

 

Man muss sich fragen, wohin das führt. Ich war der Meinung, die EDV diene der Effizienzsteigerung. Doch wie effizient kann ein Geschäftsmodell eines Dienstleistungsbetriebes sein, wenn jeder vierte Mitarbeiter damit beschäftigt ist, die Daten elektronisch aufzuarbeiten?

 

Gäbe es die Technologie für ausgeklügelte Informatiksysteme nicht, so könnte man die Banken nicht mit derart komplexen und aufwendigen Auflagen belasten. Vor allem könnte man nicht eine so rasche Umsetzung verlangen, wie das heute der Fall ist. Oder es gäbe schlicht gar keine globalen Bankenkonzerne nach heutigem Muster. Ob es uns deswegen schlechter ginge, bezweifle ich. Für meinen Kollegen vom Baugewerbe heisst EDV: «Ende der Vernunft». Vielleicht hat er gar nicht so unrecht. 

 

Erschienen in der BZ am 27. August 2012

 

 

Claude Chatelain