Mehr Gäste und weniger Umsatz in Luxushotels

Die Victoria-Jungfrau Collection verzeichnet im ersten Halbjahr 2012 mehr Logiernächte als im Jahr zuvor. Unter dem Strich sieht es weniger gut aus.

Mehr Übernachtungen, eine bessere Auslastung der Zimmer, doch weniger Umsatz und ein Reinverlust von 3,4 Millionen Franken – dies in Stichworten das Halbjahresergebnis der börsenkotierten Victoria-Jungfrau Collection, welche das Bellevue-Palace Bern, das Victoria-Jungfrau, Interlaken, das Palace Luzern sowie das Eden au Lac Zürich umfasst. Im Vorjahr vermochte die Hotelgruppe noch einen Reingewinn von 920 000 Franken zu erwirtschaften. Noch mehr über den wirklichen Geschäftsgang einer Hotelgruppe verrät der Durchschnittspreis der verfügbaren Zimmer, der sogenannte «Revenue per available room» oder «RevPar»: Er liegt für die Gruppe mit 163 Franken um 5,7 Prozent unter dem Vorjahressemester.

 

Bellevue: Starker Rückgang

 

Besonders krass ist der Rückgang des «RevPar» beim Stadtberner Bellevue Palace: minus 25,3 Prozent. Im Vorjahr hatte das Bellevue mit einem «RevPar» von plus 12,7 Prozent zum positiven Gesamtergebnis beigetragen. Auch in der Restauration musste das Bellevue eine markante Umsatzeinbusse in Kauf nehmen. Dies unter anderem als Folge des achtwöchigen Totalumbaus der Bellevue-Terrasse.

 

China auf Rang 4

 

Gemäss Zimmernächtestatistik verzeichnet das Bellevue bei den drei grössten Gästekategorien – Schweiz, USA, Deutschland – prozentual zweistellige Rückgänge. Bemerkenswert ist dagegen der Anstieg der Zahl der Chinesen um 78 Prozent, die mittlerweile die viertgrösste Gästeschar stellen. An der Spitze liegt die Schweiz mit einem Anteil von 41,4 Prozent.

 

Victoria-Jungfrau: Stabil

 

Insgesamt besser erging es der anderen Luxusherberge im Kanton Bern: Beim Victoria-Jungfrau in Interlaken reduzierte sich der «RevPar» bloss um 1 Prozent. «Sehr ermutigend stimmt die Zahl der registrierten Zimmernächte», steht im gestern veröffentlichten Halbjahresbericht zu lesen. Die Steigerung von 5,4 Prozent sei vor allem den Ferien- und Freizeitgästen zu verdanken. Auffallend seien die «massiven Zuwachsraten der neuen Märkte». Zu denken ist etwa an Südamerika, China und die Golfstaaten. Noch mehr ins Gewicht fällt jedoch das Plus von 23,7 Prozent der Deutschen – dem starken Franken zum Trotz. Die grösste Gästekategorie stellen im Victoria-Jungfrau die Schweizerinnen und Schweizer mit einem Anteil von 48,8 Prozent.

 

Erschienen in der BZ am 24. August 2012

Claude Chatelain