Die AEK Bank steht im Vergleich zu Valiant besser da

AEK-Chef Remo Häcki
AEK-Chef Remo Häcki

Die AEK Bank mit Hauptsitz in Thun gibt ein sehr gutes Halbjahresresultat bekannt. Erfolgt das Ergebnis unter Inkaufnahme zu hoher Risiken?

 

Die AEK Bank hat im Juli 2012 mit ihrer Bilanzsumme die Grenze von drei Milliarden Schweizer Franken überschritten. Die nach der Valiant-Gruppe zweitgrösste Regionalbank im Kanton Bern nimmt dieses Ereignis zum Anlass, erstmals in ihrer Geschichte über den Halbjahresabschluss zu berichten. Die Genossenschaft mit Sitz in Thun steigerte den Bruttogewinn um 9,3 Prozent auf 16,7 Millionen Franken.

Dieses Ergebnis steht im krassen Kontrast zu den Zahlen, welche Valiant vor Wochenfrist publizierte. Die börsenkotierte Regionalbankengruppe verzeichnet einen Einbruch beim Bruttogewinn von knapp 17 Prozent. CEO Michael Hobmeier rechtfertigte das enttäuschende Ergebnis mit der zurückhaltenden Kreditpolitik. «Für langfristige Verpflichtungen wird die Bank ungenügend entschädigt», sagte Hobmeier. «In der Abwägung zwischen langfristiger Stabilität des Unternehmens und kurzfristiger Gewinnmaximierung wird sich Valiant auch zukünftig für Ersteres entscheiden.»

 

(K)eine Frage des Risikos

 

Je besser das Ergebnis, desto grösser die Risiken – so etwa könnte man das Credo der Valiant vereinfachen. Geht demnach die AEK Bank überdurchschnittliche hohe Risiken ein, dass sie den Bruttogewinn derart zu steigern vermochte? Remo Häcki, CEO der AEK Bank, verneint. «Wir kennen unsere Kunden; wir kennen den Markt; in unserem Marktgebiet können wir keine Immobilienblase feststellen.» Zudem unterliege die Bank keinem erhöhten Zinsänderungsrisiko. «Auch wir sind bei der Vergabe langjähriger Hypotheken zurückhaltend. Wir empfehlen unseren Kunden drei- bis fünfjährige Festhypotheken.»

 

Eine zehnjährige Hypothek sei normalerweise nicht im Interesse des Kunden, meint Häcki. Und wenn dies jemand bei der AEK dennoch will, so werde ihm dies gewährt. Wobei Häcki kein Hehl daraus macht, dass andere Banken bei den Langläufern günstigere Konditionen gewährten.

 

Zurückhaltende Vergabe

 

Der wöchentlich publizierte Vergleich des Hypothekenzentrums bestätigt das: Für eine achtjährige Festhypothek offeriert AEK einen Zins von 2,050 Prozent. Die Credit Suisse verlangt bloss 1,8 Prozent. Und der Blick in den Geschäftsbericht 2011 der AEK Bank zeigt, dass die Thuner bei der Vergabe langfristiger Hypotheken in der Tat sehr zurückhaltend sind: Der Anteil der über fünfjährigen Hypotheken am gesamten Hypothekarbestand belief sich per Ende 2011 auf 4 Prozent. Bei der Valiant liegt der Anteil dagegen bei 9 Prozent. «Die AEK Bank wird zunehmend als die Alternative zu anderen Banken empfohlen», meint Häcki weiter. «Unsere finanzielle Gesundheit ist dank hoher Eigenmittel und hoher Produktivität ausserordentlich gut.» Das spiegelt sich etwa im Kosten-Ertrags-Verhältnis. Es beträgt 38,4 Prozent; bei der Valiant lautet diese Kennziffer 61,4 Prozent.

 

Erschienen in der BZ am 22. August 2012

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Claude Chatelain