Valiant rechtfertigt das schlechte Ergebnis

Die Halbjahreszahlen hat Valiant schon Ende Juli bekannt gegeben. Gestern erklärte die Regionalbankengruppe, weshalb sie mit langjährigen Hypotheken Zurückhaltung übt. Der Aktienkurs verlor über 6 Prozent.

Die Berner Regionalbank Valiant hat gestern ihr schlechtes Halbjahresergebnis gerechtfertigt. Die wichtigsten Zahlen hat sie in einer unüblichen Aktion bereits Ende Juli bekannt gegeben. Also schon vor der gestrigen Bilanzmedienkonferenz. Dies, nachdem aus unerfindlichen Gründen der Aktienkurs zuvor weiter in die Tiefe gesackt war – von rund 110 auf etwas über 80 Franken. Mit der vorzeitigen Bekanntgabe der noch nicht geprüften Zahlen wollte die Bank die Märkte beruhigen. Was ihr bis zum gestrigen Tag auch gelang. Gestern nun, nachdem die detaillierten Zahlen und die trüben Aussichten bekannt wurden, fiel der Aktienkurs bis Börsenschluss um weitere 6,43 Prozent auf 77.10 Franken. Die kurzfristig orientierten Analysten fanden offensichtlich keinen Gefallen an der langfristigen Strategie der grössten Regionalbankengruppe der Schweiz. Diese verzichtet ausdrücklich auf kurzfristigen Erfolg. Oder wie es CEO Michael Hobmeier gestern in Zürich ausdrückte: «In der Abwägung zwischen langfristiger Stabilität des Unternehmens und kurzfristiger Gewinnmaximierung wird sich Valiant auch zukünftig für Ersteres entscheiden.»

 

Lieber keine lange Laufzeiten

 

Das heisst, dass sich Valiant in der Vergabe von Hypothekarkrediten in grösster Zurückhaltung übt. Zurückhaltend ist Valiant besonders bei Hypotheken mit langen Laufzeiten. Nur ausgesprochen guten Kunden, welche auch andere Geschäfte mit der Bank tätigen, gewährt Valiant einen zehnjährigen Hypokredit. «Für langfristige Verpflichtungen wird die Bank ungenügend entschädigt», sagte Hobmeier. Das heisst, die heutigen Marktzinsen sind für Hypotheken mit Laufzeiten von sechs und mehr Jahren nach Auffassung der Valiant zu tief. Diese ungesunde Zinssituation wird sich spätestens dann rächen, wenn die Zinsen steigen. «Zinsänderungen erfolgen stets überraschend und sehr schnell», meinte Hobmeier. Die Banken sprechen in diesem Zusammenhang vom Zinsänderungsrisiko. Zu bemerken ist noch, dass Valiant den Personaletat im ersten Semester um 30 Personen auf rund 1040 Vollzeitstellen abgebaut hat. Dass das aussagekräftige Kosten-Ertrags-Verhältnis trotzdem zugenommen hat, ist laut Hobmeier auf höhere und einmalige Informatikkosten zurückzuführen.

 

Erschienen in der BZ am 18. August 2012

Claude Chatelain