Fussball-Aktien sind Fanartikel

Wayne Rooney, der Star von Manchester United
Wayne Rooney, der Star von Manchester United

Fussballaktien sind weniger begehrt als Eintrittskarten. Das zeigt das Beispiel von Manchester United. Wobei im Fall von ManU auch die Besitzerfamilie eine zweifelhafte Rolle spielt.

 

Für Ballkünstler der Marke Wayne Rooney können Fussballclubs fast jeden Preis verlangen – für ihre Aktien jedoch nicht. Fussballaktien stossen nicht auf die gleiche Nachfrage wie Eintrittskarten. Das musste nun auch der englische Traditionsverein Manchester United erfahren, gemäss «Forbes» der wertvollste Fussballclub der Welt.

100 Millionen weniger

 

Die amerikanische Besitzerfamilie Glazer brachte gestern den Club an die New Yorker Börse. Doch statt den erwünschten 20 Dollar müssen sich die Besitzer mit 14 Dollar pro Aktie begnügen. Somit wird der Börsengang 233 statt der angestrebten 333 Millionen Franken in die Kasse spülen. 2005 gewann Malcolm Glazer die Kontrolle über den börsenkotierten Fussballkonzern. Er zahlte den Aktionären umgerechnet rund 1,2 Milliarden Franken. Damals war ManU mehr oder weniger schuldenfrei. Inzwischen haben die Glazers den stolzen Club mit privaten Schulden vollgepumpt. Der Schuldenberg beträgt 680 Millionen Franken. Das frische Kapital, das nun mit der Herausgabe neuer Aktien in die Kasse fliesst, dient nicht künftigen Investitionen, sondern der Tilgung von Schulden. Das ist nicht nach dem Geschmack von Aktionären. Vor der Übernahme des Clubs im Jahr 2005 wurden die Aktien von ManU während 15 Jahren an der Londoner Börse gehandelt. Sie waren eine der wenigen Lichtblicke im Kreis der Fussballaktien. Der Kurs stieg um das Zwanzigfache.

 

Eine Art Fanartikel

 

Ansonsten haben Fussballaktien mehr den Charakter von Fanartikeln als von Wertpapieren. «Von 45 Fussballaktien verzeichnete seit ihrem Börsenstart nur rund jede 5. einen Wertzuwachs», schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Mehr als jede 3. verlor mehr als 90 Prozent an Wert, zwei Drittel büssten mehr als die Hälfte ein. Auch die einzige deutsche Fussballaktie, die des amtierenden Meisters Borussia Dortmund, habe in fast 12 Jahren rund drei Viertel an Wert verloren. Die traurige Performance von Fussballaktien spiegelt sich auch im Dow Jones Stoxx Football Index. Er liegt um 50 Prozent unter seinem Rekordhoch von 2008. Das Börsenbarometer umfasst 21 börsenkotierte Fussballaktien – von Ajax Amsterdam über AS Roma, Borussia Dortmund, Celtic Glasgow bis zur türkischen Trabzonspor Kulübü.

 

Erschienen in der BZ am 11. August 2012

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Claude Chatelain