Vierte Säule: Nachhilfestunde im Prozentrechnen

Börsianer rechnen in Prozenten, nicht in absoluten Zahlen.

 

Sinkt der Aktienkurs im Tagesverlauf um 4 Franken, so ist das bei einem Kurs von 1200 Franken unerheblich, gerade mal minus 0,33 Prozent. Beläuft sich jedoch der Kurs auf 40 Franken, so ist der Taucher von 4 Franken erheblich: minus 10 Prozent. So viel Banales zur Einstimmung. Banal ist auch eine andere Erkenntnis: nämlich die Lektion, dass ein bestimmter prozentualer Verlust nicht mit dem gleichen prozentualen Gewinn wettgemacht werden kann. Wenn also der Kurs einer Aktie am Dienstag einen Verlust von 2 Prozent verzeichnet und am Mittwoch um 2 Prozent zulegt, so wird er das Niveau vom Montagabend noch nicht erreicht haben. Der Grund dafür ist, dass nach einem Verlust der notwendige Gewinn für einen Ausgleich von einem tieferen Wert aus erwirtschaftet werden muss. Ist doch klar, oder? In einem älteren Fachbuch des VZ Vermögenszentrum habe ich eine Tabelle aufgeschnappt. Sie zeigt, wie viel Prozent Gewinn wie viel Prozent Verlust wieder wettmachen:

Verlust Gewinn

–  30% + 43%

–  40% +  67%

–  50% + 100%

–  60% + 150%

–  70% + 233%

–  80% + 400%

–  90% + 900%

Hatten Sie etwa UBS-Aktien gekauft, als das Stück Anfang 2007 noch 70 Franken kostete? Der heutige Kurs von rund 10.50 Franken entspricht einem Kurszerfall von 85 Prozent. Steigt nun der Kurs von den heutigen 10.50 Franken um 85 Prozent, so sind wir von den bezahlten 70 Franken noch immer meilenweit entfernt, so haben wir leider erst einen Kurs von 19.40 Franken erklommen. Um den Einstandspreis von 70 Franken zu erreichen, wäre eine Kurssteigerung von 566 Prozent erforderlich. Ich würde mich hier nicht als Mathematiklehrer aufspielen, wenn ich nicht wiederholt feststellen müsste, dass diese einfache Arithmetik im Zeitalter des Taschenrechners bei manchem vergessen gegangen ist.

 

Erschienen in der BZ am 24. Juli 2012

Claude Chatelain