Das Bankgeheimnis kommt die Banken teuer zu stehen

Die Banken sind mit Hochdruck damit beschäftigt, sich für die Abgeltungssteuer fit zu trimmen. Das ist mit hohen Kosten verbunden. Mehr und mehr Institute überlegen sich daher, auf das Bankgeheimnis teilweise zu verzichten.

Damit ab kommendem Jahr auf den Kapitalerträgen und Kapitalgewinnen aller deutschen, englischen und österreichischen Kunden automatisch die Abgeltungssteuer in Abzug gebracht wird, müssen die Banken ihre Softwareprogramme umschreiben und informationstechnologisch eine riesige, kostspielige Übung veranstalten. Das Dumme ist nur, dass man noch gar nicht weiss, ob die entsprechenden Abkommen überhaupt in Kraft treten werden. Unter Umständen werden all die Investitionen in die Informatik für die Füchse sein. 

 

Warten auf Ende November

 

Der deutsche Bundesrat, also die Vertreter der deutschen Bundesländer, wird über das Abkommen voraussichtlich erst im November abstimmen. Auch in der Schweiz sind die Steuerverträge mit ausländischen Staaten noch nicht im Trockenen: Am 15. Juni gab das Bundesparlament äusserst knapp seinen Segen, doch die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz und die Jungsozialisten haben das Referendum angekündigt. Falls es zustande kommt, wird das Schweizervolk am 25. November darüber befinden. Was kostet diese informationstechnologische Übung? Die UBS hat allein für dieses Jahr über 100 Millionen Franken für regulatorische Anpassungen budgetiert, bestätigt Sprecher Dominique Gerster. Dabei geht es nicht nur um Anpassungen für die Abgeltungssteuer, sondern auch für das US-amerikanische Regelwerk Fatca, welches, laut NZZ, «Finanzdienstleistungsunternehmen weltweit zu Aussenstellen der US-Steuerbehörden umfunktionieren will».

 

BEKB entscheidet später

 

Bei der Berner Kantonalbank will man sich noch nicht auf einen Betrag festlegen, was die ganze Umstellung im IT-Bereich kosten könnte. «Wir prüfen derzeit verschiedene Varianten für die technische und inhaltliche Umsetzung», erklärt Sprecherin Catherine Duttweiler. «Welche Variante für welche Länder gewählt wird, ist derzeit noch offen.» Grundsätzlich müssen sich Banken überlegen, ob sie die teure Übung mit der Abgeltungssteuer durchziehen wollen. Sie sind nicht verpflichtet dazu. Sie haben die Möglichkeit, die Kundenbeziehung mit bestimmten Staatsangehörigen aufzulösen, so wie das viele Banken mit US-Amerikanern tun. Die Banken haben aber auch die Möglichkeit, nur die Variante «freiwillige Meldung» anzubieten. Sie lassen von deutschen, englischen und österreichischen Kunden ein Papier unterschreiben, in welchem sie sich einverstanden erklären, dass ihre Bankbeziehung gegenüber den Behörden offengelegt wird. Dies ist gleichbedeutend mit dem automatischen Informationsaustausch. Postfinance hat bereits bekannt gegeben, nur diese eine Variante der Offenlegung anzubieten. Wer anonym bleiben will, muss sich ein anderes Institut aussuchen. Auch die Bank Sarasin hatte sich in der «Finanz und Wirtschaft» darüber Gedanken gemacht, gewissen Ländern allein die Offenlegung zu offerieren. Mittlerweile hat sie sich entschieden: «Wir werden beide Varianten anbieten», erklärte Sarasin-Sprecher Benedikt Gratzl. Etliche Banken, etwa die Valiant-Bank, die AEK-Bank 1826, die Spar- und Leihkasse Riggisberg oder auch die Stadtberner Bank EEK haben sich noch nicht entschieden, ob sie die anonyme Abgeltung überhaupt ermöglichen wollen.

 

Erschienen in der BZ am 18. Juli 2012

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Claude Chatelain