Fusionen machen sich häufig nur auf dem Papier gut

Für einen Bankmanager ist es sicher spannender, eine grosse Regionalbank mit 130 Mitarbeitern und 21 Filialen statt einer Bank mit «bloss» 70 Mitarbeitern und 15 Filialen zu führen. Das könnte ein Argument sein, die Bernerland Bank aus Sumiswald mit der Spar- und Leihkasse in Münsingen zu fusionieren. Die Verantwortlichen werden das selbstverständlich bestreiten und andere Beweggründe ins Feld führen.

Bei der Ankündigung des Schulterschlusses Mitte Februar erklärten beide Banken, aus einer Position der Stärke zu handeln und sich für die Zukunft abzusichern. Der Trend der sinkenden Margen und des zunehmenden Kostendrucks setze sich fort, deshalb müsse man vorzeitig die Weichen stellen. Ähnlich tönte es gestern, als die fusionswilligen Institute den Namen der neuen Bank und die Zusammensetzung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung bekannt gaben. Sie schrieben im Communiqué, dass sie durch den Zusammenschluss die Marktposition weiter ausbauen und sich für die Herausforderungen der Zukunft rüsten wollten. Die Messlatte für die kritische Grösse werde höher liegen als heute.

 

Solche Wörter und Sätze kennt man aus der Betriebswirtschaftslehre. Nichts gegen diese Theorien. Aber aus der Praxis weiss man, dass das Verschmelzen von zwei Firmen und damit von unterschiedlichen Kulturen häufig viel schwieriger ist, als sich das die Verantwortlichen vorstellen konnten. Man weiss ebenfalls, dass die Ansprüche ans Management mit der zunehmenden Grösse eines Unternehmens steigen. Je grösser das Unternehmen, desto grösser auch die Auswirkungen bei einem Fehlentscheid.

 

Doch das Interessanteste kommt noch:  Wenn man mit einer grösseren Bank besser aufgestellt sein will, sollte sich das in den relevanten Geschäftszahlen niederschlagen, dann sollten grössere Banken rentabler wirtschaften als kleinere. Doch das Gegenteil ist der Fall. Kleinere Banken sind tendenziell besser kapitalisiert als die grossen Regionalbanken. Ein Bankenvergleich in dieser Zeitung bestätigte dies (Ausgabe vom 10. April 2012).

 

Und wem freie Marktwirtschaft und Wettbewerb ein Anliegen sind, der kann Fusionen eh nichts abgewinnen. Der Trend zu grösseren Gebilden führt zu Oligopolen und damit zu weniger Wettbewerb.

 

Erschienen in der BZ am 4. Juli 2012

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Claude Chatelain