Espace Real Estate - eine Alternative zu Immofonds

Baustelle am Längfeldweg in Biel
Baustelle am Längfeldweg in Biel

Die nicht kotierten Berner Aktien, die über die OTC-X der Kantonalbank gehandelt werden, weisen zum Teil sehr geringe Handelsumsätze auf. Dies gilt freilich nicht für die Espace Real Estate Holding aus Biel.

 

Gemäss Lehrbuch gehören in ein diversifiziertes Wertschriftenportefeuille auch Immobilien. Wer diesem Grundsatz nachleben will, hat jedoch ein Problem: Angebot und Nachfrage stehen in einem krassen Missverhältnis. Liegenschaften sind gefragt. Die Folge davon sind überhöhte Preise. Deshalb sind Immobilienfonds nur zu einem hohen Aufpreis gegenüber dem inneren Wert zu erhalten. Eine Alternative könnte die Espace Real Estate Holding sein.

Die Bieler Immobilienfirma ist nicht börsenkotiert. Sie ist damit weniger im Fokus der Grossinvestoren als etwa Pensionskassen. Dennoch kann man Aktien der Espace Real Estate erwerben, zum Beispiel über die OTC-X, der Handelsplattform der Berner Kantonalbank. Für Rolf Bigler, Leiter der OTC-X, ist die Espace Real Estate «ein gut geführter Immobilienbetrieb mit einer stabilen Aktienkursentwicklung und ansprechendem Volumen». Keine andere Aktiengesellschaft aus dem Kanton Bern kommt bei der OTC-X auf einen höheren Umsatz . Ihr Handelsumsatz ist sogar höher als bei kotierten Immobiliengesellschaften. Das Volumen gehandelter Aktien ist für Aktionäre von Bedeutung, weil geringe Volumen zu hohen und zufälligen Kursschwankungen führen.

 

Häuser statt Drähte und Nägel

 

Manche mögen sich an die Vereinigten Drahtwerke Biel erinnern, der Vorgängergesellschaft der Espace Real Estate. Sie stellte 2001 das operative Geschäft ein und mutierte zu einer Immobiliengesellschaft. «Die Espace Real Estate Holding AG ist eine Immobilienanlagegesellschaft mit dem Schwerpunkt schweizerisches Mittelland und Kanton Schaffhausen», schreibt die Firma auf ihrer Website. 51 Prozent des Immobilienportefeuilles im Wert von knapp 500 Millionen Franken liegen im Kanton Solothurn, 18 Prozent im Kanton Bern und je 9 Prozent in den Kantonen Luzern und Schaffhausen. Beim Blick auf die Liste der Renditeliegenschaften fällt eine Konzentration von Liegenschaften in Grenchen und Zuchwil auf – nicht gerade eine boomende Region.

 

Haben wir da nicht ein Klumpenrisiko? «Nein», sagt CEO Theodor Kocher, «wir haben im Kanton Solothurn ganz unterschiedliche Angebote und sind deshalb stark diversifiziert.» Zudem erfreue sich diese Region nach einer langen Rezession einer erfreulichen Entwicklung, sagt Kocher. Hinzu komme, dass die Immobilienpreise im Mittelland nicht derart überhöht seien wie in den Ballungszentren um Zürich oder in der Genferseeregion. «Das Risiko für Rückschläge ist bei uns beschränkt».

 

Zum inneren Wert gehandelt

 

Ein Pluspunkt der Espace Real Estate ist ferner der Umstand, dass die Aktien mehr oder weniger zum inneren Wert gehandelt werden. Dies im Unterschied zu Immofonds und Immobiliengesellschaften, für welche der Aktionär wegen der starken Nachfrage eine Prämie, ein Agio, zu bezahlen hat. Sollten die Zinsen steigen, wie das seit Jahren prophezeit wird, dürften Immobilien unter Druck geraten. Doch höhere Schuldzinsen stehen höheren Mietzinseinnahmen gegenüber. Mit einer Eigenkapitalquote von 46 Prozent und einer langfristigen Fremdfinanzierung kann die Espace Real Estate allfälligen Zinserhöhungen gelassen entgegensehen.

 

Erschienen in der BZ am 3. Juli 2012

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Claude Chatelain