Die Innova verkauft die Grundversicherung

Innova-Chef Michael Rindlisbacher
Innova-Chef Michael Rindlisbacher

Die Innova aus Gümligen konzentriert sich künftig auf die Zusatzversicherungen. Das Geschäft mit den Grundversicherten wird der Visana-Tochter Vivacare übertragen.

Der Berner Krankenversicherer Visana machte nie einen Hehl daraus, dass man mit der zweitgrössten Berner Kasse, der KPT, fusionieren möchte. Dies zur Stärkung des Krankenkassenplatzes Bern. Nun werden nicht die Versicherten der KPT, aber jene der kleineren Innova aus Gümligen zur Visana-Gruppe stossen. Doch Achtung: Nur die Grundversicherten sind betroffen. Das Geschäft mit den Zusatzversicherungen wird die Innova weiterhin mit ihren knapp hundert Mitarbeitern selbstständig betreiben. Nur die Innova-Krankenversicherungs-AG wird mit der Vivacare der Visana-Gruppe fusioniert. Vierzehn Mitarbeiter werden den Arbeitgeber wechseln und ihren Arbeitsplatz nach Bern zügeln.

 

Die 38000 betroffenen Innova-Grundversicherten erhalten im Oktober die neue, ab 2013 geltende Versicherungspolice der Vivacare. Eine finanzielle Not für diese Fusion besteht nicht: Die Reservequote der Innova-Grundversicherung beträgt 25,2 Prozent. Gesetzlich gefordert sind 20 Prozent.

 

Keine Perspektiven

 

«Wir sahen für das Geschäft mit den Grundversicherten keine Perspektiven», meint Michael Rindlisbacher, zumal die Kunden zunehmend bereit seien, Grund- und Zusatzversicherung bei zwei Anbietern abzuschliessen. Rindlisbacher ist bei der Innova Delegierter des Verwaltungsrats und Vorsitzender der Geschäftsleitung. Er verhehlt nicht, dass dieser unternehmerische Entscheid auch im Hinblick auf eine mögliche Einführung einer Einheitskrankenkasse gefällt wurde. «Der Handlungsspielraum bei der Grundversicherung wird immer kleiner», sagt er. Und sollte die zustande gekommene Initiative für eine Einheitskasse vom Volk angenommen werden, so sei die Innova gewappnet und auf dem Markt als eigenständiger Zusatzversicherer bereits positioniert.

 

In diesem Geschäft mit den freiwilligen Zusatzversicherungen ist der Nischenplayer gut unterwegs: Die Zahl der Versicherten stieg auf Anfang 2012 um 4 Prozent auf gut 57000. Zudem konnte die Innova das Krankenversicherungsgeschäft der Helvetia-Versicherungen übernehmen. Krankentaggeld-Versicherungen für Selbstständigerwerbende und für Kleinunternehmen bis fünfzig Mitarbeiter ist eines der Nischenprodukte der Innova. Ein anderes sind die Spitalkosten-Zusatzversicherungen für Nichtraucher mit Prämienvorteilen von bis zu 35 Prozent. Zudem will der Krankenversicherer aus Gümligen mittelfristig auch das UVG-Geschäft als Direktversicherer anbieten, wie der VR-Delegierte erklärt. Michael Rindlisbacher wörtlich: «Mit dieser Strategie will die Innova über ein kontinuierliches und qualitatives Wachstum das Prämienvolumen bis im Jahr 2020 verdoppeln.»  

 

Erschienen in der BZ am 28. Juni 2012

 

Claude Chatelain