Wo Bauern noch die Banken steuern

An die Banken werden immer höhere Anforderungen gestellt. Im Verwaltungsrat von Berner Regionalbanken hingegen sitzen vielfach einfache Leute. Geht das?

Bild: Max Spring
Bild: Max Spring

Beispiel Spar- und Leihkasse Riggisberg mit einer Bilanzsumme von 417 Millionen Franken: Der Präsident ist Elektroinstallateur, der Vizepräsident ist Landwirt, und dann sitzen noch eine kaufmännische Angestellte, ein Tierarzt, ein Schadenexperte, ein Notar und ein Ingenieur ETH im Verwaltungsrat. All diese Verwaltungsräte haben sicherlich Verdienstvolles geleistet. Doch keinem möchte man unterstellen, in Bank- und Finanzfragen über eine besondere Kompetenz zu verfügen.

 

Landwirte haben das Sagen

 

Die Spar- und Leihkasse Wynigen wird von einem Landwirt angeführt. Ihm zur Seite stehen zwei weitere Landwirte, ein Kaufmann, ein Zimmermeister, ein Bäcker, ein Ingenieur FH und ein kantonaler Beamter. Das steht fein säuberlich im Geschäftsbericht.

 

Auch bei der Spar- und Leihkasse Münsingen mit einer Bilanzsumme von über einer Milliarde Franken vermag die Zusammensetzung des Verwaltungsrats nicht zu überzeugen: Der Treuhänder Peter Bühler ist das einzige Mitglied mit Erfahrung im Finanzbereich. Daneben fällt das Übergewicht an lokalen Politikern auf. Es macht den Anschein, dass einige dieser Verwaltungsräte den Posten kraft ihrer politischen Tätigkeit und nicht aufgrund eines fachlichen Leistungsausweises erhalten haben. Wie bekannt, will die Spar- und Leihkasse Münsingen mit der Bernerland Bank Sumiswald fusionieren. Treibende Kraft hinter diesem Ansinnen sind nicht die Verwaltungsräte, die für strategische Belange zuständig wären. Vielmehr sind es die Direktoren Beat Hiltbrunner von der Spar- und Leihkasse sowie Peter Ritter von der Bernerland Bank, die die Idee einer Fusion aufs Tapet brachten. Von aussen betrachtet wird man den Verdacht nicht los, dass die Verwaltungsräte in diesem Fall höchstens die Aufsicht betreiben, kaum jedoch strategische Aufgaben wahrnehmen.

 

Strengere Aufsicht

 

Die genannten Institute sind nicht die einzigen Regionalbanken, deren Verwaltungsrat punkto Fachkompetenz kaum zu überzeugen vermag. Dem Vernehmen nach hat nun die Finanzmarktaufsicht (Finma) die Schraube angezogen. Sie muss die zur Wahl vorgeschlagenen Verwaltungsräte absegnen. So soll sie in einigen Fällen auch schon gewisse Verwaltungsräte abgelehnt haben, wie ein Banker zu berichten weiss. Nicht weil das vorgeschlagene Mitglied die Voraussetzungen nicht zu erfüllen vermochte, sondern weil das Gremium insgesamt nicht ausgewogen war. Mindestens ein Bankenexperte sollte schon im Verwaltungsrat vertreten sein, heisst es. Die Finma will das so nicht bestätigen (Kasten).

 

Höhere Anforderungen an die Kompetenz stellt neuerdings die Stadtberner Bank EEK: Sie hat ein Anforderungsprofil erarbeitet, dem künftige Mitglieder zu genügen haben. Eine Findungskommission, bestehend aus drei bis vier VR-Mitgliedern, wird dann Kandidaten aussuchen müssen. Die Mitgliedschaft im Grossen Rat oder in einer Gemeindeexekutive ist laut EEK-Direktor Daniel Pfanner kein Kriterium. 

 

Erschienen in der BZ am 21. Juni 2012

Claude Chatelain