Strahlende Gesichter in Schwarzenburg

Jodlerclub Fortuna, Bern
Jodlerclub Fortuna, Bern

87 Prozent der rund 540 Formationen erzielten am Bernisch-Kantonalen Jodlerfest in Schwarzenburg Topresultate.

 

Standing Ovations gibt es im besten Fall nach einer Rede. OK-Präsident Albert Koller erhielt sie bereits, als er beim Festakt nur schon ans Mikrofon trat. Damit ist fast alles gesagt, was es über den Erfolg des 47. Bernisch-Kantonalen Jodlerfests in Schwarzenburg zu sagen gibt. «Weit mehr als 40'000 Besucherinnen und Besucher wohnten während der drei Festtage den Wettvorträgen, dem Festakt und dem Festumzug bei oder flanierten durch das Jodlerdorf», bilanzierte das OK gestern Abend. Zwischenfälle gab es keine, was bei einem Jodlerfest keine Ausnahme, bei anderen (sportlichen) Grossveranstaltungen fast die Regel ist.

Gemeindepräsident Ruedi Flückiger sprach gestern Vormittag am Festakt vor der Fahnenübergabe von den zwei schönsten schlaflosen Nächten des Jahres. Und die in toller Berner Werktagstracht erscheinende Finanzdirektorin Beatrice Simon erhielt während ihrer Rede einen Szenenapplaus, als sie offenbarte, dass sie die Tracht selber genäht hätte. «Das war schon lange her. Heute hätte ich nicht mehr Zeit dazu.»

 

Über 3500 Jodler, Alphornbläser und Fahnenschwinger (auch Fahnenschwingerinnen), rund 540 Formationen also, stellten sich am Freitag und Samstag den Juroren. Es gab die Noten 1 bis 4 zu verteilen. Wer eine 1 oder eine 2 bekommt, kann in zwei Jahren nach Davos ans Eidgenössische Jodlerfest, das alle drei Jahre stattfindet. 87 Prozent schafften das. Wer es nicht schaffte, wird im kommenden Jahr in Tramelan eine zweite Chance bekommen.

 

Wo war eigentlich Melanie Oesch von Oesch’s die Dritten? Ist etwa ihre Art zu jodeln zu modern? «Ach was», kontert Ueli Zahnd. «Es gibt auch beim Jodeln nicht nur eine Stilrichtung. Melanie Oesch ist eine hervorragende Jodlerin», sagt OK-Mitglied und Komponist Ueli Zahnd. Der musikalische Leiter des Jodlerklubs Guggershörnli aus Guggisberg hat über 30 Lieder komponiert. Das bekannteste ist «Das cha nur Liebi si». Der fleissige Komponist war im OK und freute sich, dass sein «Wermi, Troscht u Liebi schänke» fünfmal vorgetragen wurde; am zweithäufigsten aller Lieder.

Ueli Zahnd, der Komponist von  "Das cha nur Liebi si".
Ueli Zahnd, der Komponist von "Das cha nur Liebi si".

Im Gespräch erklärt Ueli Zahnd, dass auch die Texte von Berner Komponisten nicht nur von Blüemli, Bärgli und Chueli sprechen. «Die heutigen Texte sind häufig sehr sentimental, gefühlsvoll und persönlich», sagt Zahnd. Und warum kann das Jodeln nicht vom Heimatboom profitieren wie das Schwingen? «Das nähme mich auch wunder», meint der Jodlerexperte. «Wir haben uns das schon oft gefragt.» Wobei man sich fragen darf, ob das Nachwuchsproblem nicht herbeigeredet wird. 24 Kinderjodlerchöre gibt es im Kanton Bern.

 

Alle schwärmten sie in Schwarzenburg von der guten Stimmung, der Fröhlichkeit der Jodlerinnen und Jodler und vom fantastischen Wetter. Wobei auch schlechtes Wetter einer guten Jodlerstimmung keinen Abbruch tut. Das zeigte sich im vergangenen Jahr beim Eidgenössischen Jodlerfest in Interlaken: Es regnete in Strömen – und die Stimmung war super.

 

Erschienen in der BZ am 18. Juni 2012

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Claude Chatelain