Gezielte Eingriffe ins Bankensystem sind nötig

Die Politik hat nach dem Ausbruch der Finanzkrise mit der «Too-big-to-fail»-Vorlage klar gesagt, was sie von den Grossbanken erwartet: mehr Eigenkapital. Nach Ansicht der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vermögen UBS und Credit Suisse diese Vorgaben noch nicht zu erfüllen. Das verlusttragende Kapital liegt laut SNB «unterhalb des Niveaus, das eine ausreichende Widerstandskraft gewährleisten würde».

Wie man weiss, liegt der Ursprung der Finanzkrise in den ungezügelten Spekulationen von Investmentbankern. Sie handelten mit äusserst komplexen und riskanten Papieren. Deshalb wurde verschiedentlich der Ruf laut, systemrelevante Banken müssten sich vom Investmentbanking trennen. Eine solche Trennung würde mit Sicherheit gewisse Risiken eliminieren, aber nicht sämtliche Probleme lösen. Das zeigt die Situation in Spanien. Das zeigt aber auch der gestern von der Nationalbank publizierte Bericht zur Finanzstabilität.

 

Die spanischen Banken galten in der Finanzkrise als Musterschüler: Sie hatten sich im Unterschied zu anderen europäischen Banken nicht verzockt und mussten 2008 auch nicht durch den Staat gerettet werden. Dass sie nun trotzdem Hilfe von aussen brauchen, ist also nicht den amerikanischen Investmentbankern anzulasten, sondern den heimischen Kreditabteilungen. Sie liessen mit ihrer Kreditpolitik eine Blase auf dem Immobilienmarkt entstehen, ähnlich wie die Schweizer Banken vor gut zwanzig Jahren, als die Spar- und Leihkasse Thun pleiteging, und die Berner Kantonalbank mit Steuergeldern gerettet werden musste.

 

Vor einem solchen Schreckensszenario ist der Schweizer Finanzplatz auch 2012 nicht gefeit. «Am Schweizer Hypothekar- und Immobilienmarkt häufen sich deutliche Anzeichen von Fehlentwicklungen», sagte die Nationalbank gestern. Das muss einem wahrlich zu denken geben, zumal alles darauf hinweist, dass sich die Fehlentwicklungen bei den Hypothekarkrediten verschärfen.

 

Von den Banken darf man nicht erwarten, dass sie von sich aus Zurückhaltung üben. Zu stark unterliegen sie dem Druck des Wettbewerbs. Deshalb können wir froh sein, dass der Bundesrat Massnahmen angeordnet hat, um die Kreditvergabe einzuschränken und zusätzliche Kapitalpuffer zu errichten, wie das Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf am 1. Juni angekündigt hatte. Ohne gezielte Eingriffe ins Bankensystem laufen wir Gefahr, eine Neuauflage der Bankenkrise von 1991 zu erleben.

 

Erschienen in der BZ am 15. Juni 2012

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Claude Chatelain