Vierte Säule: Zum Immobilienfonds der Credit Suisse

An Hiobsbotschaften von und über Grossbanken haben wir uns derart gewöhnt, dass gewisse Skandale kaum mehr wahrgenommen werden. Ein solcher dreht sich um den Immobilienfonds Euroreal von der Credit Suisse.

Der Fonds wird aufgelöst. Das wäre an sich noch kein Skandal, wenn dadurch nicht Tausende von Kleinanlegern geschädigt würden. Und vor allem handelt es sich dabei nicht um ein dubioses Derivat, sondern um einen Immobilienfonds, wie er insbesondere Kleinanlegern empfohlen wird. «In diversifizierte Portefeuilles gehören auch Immobilien», lautet eine gängige Empfehlung. Und da man diese nur mit sehr viel Geld direkt kaufen kann, bieten sich für Kleinanleger indirekte Anlagen an, eben Immobilienfonds. Die Credit Suisse hat schon vor zwei Jahren die Notbremse gezogen und keine Anteile mehr zurückgekauft. Nun müssen die Inhaber solcher Anteile weitere fünf Jahre warten, bis sie ihre Anteile gänzlich zurückgeben können. Dabei wissen sie nicht einmal, wie viel Geld sie schliesslich erhalten werden. «Unser Ziel ist es jetzt, das qualitativ gute Portfolio über die nächsten Jahre so zu veräussern, dass alle Investoren bestmöglich ausbezahlt werden», schreibt die Credit Suisse in einer Mitteilung. Das Problem des CS Euroreal liegt in der mangelnden Liquidität. Die Anleger wollten ihre Anteile zurückkaufen; doch der Fonds mit Vermögenswerten von gut 1,9 Milliarden Franken hatte zu wenig Liquidität. Bei Wertschriftenfonds wird der Fondsmanager bei hohen Rücknahmen Wertschriften verkaufen. Bei Immobilienfonds kann man nicht einfach von heute auf morgen die Häuser verhökern. «Die Rücknahmewünsche der Anleger haben die zur Verfügung stehende Liquidität signifikant überstiegen», so die CS. Wussten die Anleger von diesem Risiko? Wurden sie von der Bank darüber aufgeklärt? Eine Leserin, die die Anteile wegen ihrer anstehenden Pensionierung verkaufen wollte, erklärte mir mit einem erhöhten Adrenalinspiegel, dass ihr der Anlageberater diesen Fonds explizit empfohlen und über dessen Risiken nie informiert habe. Ich kenne die Frau persönlich und sehe keinen Grund, an ihren Worten zu zweifeln.

 

Erschienen in der BZ am 29. Mai 2012

Claude Chatelain