Als sich das Zelt über den Geistlichen legte

Redaktorinnen und Redaktoren erinnern sich an Episoden aus ihrer eigenen Pfadizeit. Einmal Pfadi, immer Pfadi? Das galt offenbar nicht für alle.

Schon mal einen Hochwürden richtig fluchen gehört? Bei den katholischen Pfadfindern der Stadtberner Abteilung Windrösli war es zumindest in früheren Jahren üblich, dass auch der Präses mit ins Sommerlager kam. Im Sommer 1967 führte das Pfadilager nach Zeneggen im Kanton Wallis. Als Präses war auch der Vikar dabei. Er hatte für sich ein kleines Zelt. Ich war Venner im Fähnli Schimmel; der Ürsu im Fähnli Gems. Und nichts liebte Ürsu so sehr, wie dem Vikar nachts das Zelt umzulegen. Beim ersten Mal fand es der Geistliche noch lustig, als sich das Zelt sanft über ihn legte. Als er in der Nacht darauf erneut im Tuch gefangen war, war er gar nicht mehr amüsiert und fluchte alle Zeichen, die einem Geistlichen nicht zur Zierde gereichen. Selbstverständlich mussten wir dem Vikar der Pfarrei St. Marien das Einerzelt mitten in der dunklen Nacht wieder aufstellen. Nach dem Motto «Mitgehangen, mitgefangen» musste auch ich mithelfen, das Zelt des Geistlichen wieder in Ordnung zu bringen, obschon es der Ürsu war, der die Heringe gezogen hatte.

 

Wobei der Ürsu noch heute standhaft behauptet, ich sei es gewesen, der als erster an den Heringen zog.

 

Erschienen in der BZ am 26. Mai 2012

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Claude Chatelain