Valiant-Aktionäre sind zufrieden

VR-Präsident Kurt Streit
VR-Präsident Kurt Streit

Die Generalversammlung der Regionalbankengruppe Valiant ging gestern nur mit wenig kritischen Voten über die Bühne.

 

Wenn sich der Aktienkurs innert zweier Jahre praktisch halbiert und dann die Bank von der Finanzmarktaufsicht (Finma) wegen Marktmanipulation auch noch gerügt wird, so ist an der Generalversammlung keine fröhliche Stimmung zu erwarten. Es sei denn, es geht um die Regionalbankengruppe Valiant. Gerade mal drei Aktionäre haben sich gestern Abend gewagt, in der Halle der Bernexpo ein paar kritische Worte ins Mikrofon zu sprechen. Immerhin: Der Steffisburger Immobilienunternehmer Beat Röthlisberger hat sein Versprechen eingelöst, das er in der gestrigen Ausgabe dieser Zeitung angekündigt hatte: Er rief die anwesenden 2075 Aktionärinnen und Aktionäre dazu auf, dem Verwaltungsrat die Decharge zu verweigern und sich seiner Klage anzuschliessen.

Röthlisberger war nach seinen Angaben grösster Einzelaktionär der Spar- und Leihkasse Steffisburg, welche von der Valiant mit ihrer «Akquisitionswährung», also den angeblich zu hoch bewerteten Aktien, aufgekauft wurde. «Ich fühle mich von der Bankleitung wegen der Vorkommnisse getäuscht, hintergangen und ‹bschisse›», sagte der gebeutelte Aktionär gestern. Sein Aufruf wurde nicht erhört: Dem Verwaltungsrat wurde mit 82 Prozent der Stimmen die Decharge erteilt.

 

Stehender Applaus

 

Eine Standing Ovation konnte Röthlisberger nicht erwarten, aber vielleicht einen stürmischen Applaus. Ein solcher war jedoch ausgeblieben. Einen wärmeren Applaus erhielten dagegen die abtretenden Verwaltungsräte Markus Häusermann, Marc Alain Christen und Roland Ramseier, welche als «Valiäntler der ersten Stunde» das zweifelhafte Aktienrückkaufsprogramm, das fragwürdige Optionsprogramm und somit letztlich auch den Kurssturz der Valiant-Aktien mitzuverantworten haben. Und eine Standing Ovation erhielt dafür Verwaltungsratspräsident Kurt Streit, nachdem ein Aktionär aus Uettligen dazu aufgerufen hatte, den VR-Präsidenten wiederzuwählen.

 

Traumresultate bei der Wahl

 

Kurt Streit wurde danach mit dem Traumresultat von 91 Prozent der Stimmen wiedergewählt, obschon der bekannte Zuger Vermögensverwalter Gregor Greber in der «SonntagsZeitung» dazu aufgerufen hatte, Kurt Streit die Stimme zu verweigern. Neu in den VR gewählt wurde erwartungsgemäss Postchef Jürg Bucher mit 96 Prozent der Stimmen. Er soll an der nächsten GV Kurt Streit als Verwaltungsratspräsident ablösen.

 

In seinem 30-minütigen Eintretensreferat ging Kurt Streit detailliert auf die Verfügung der Finanzmarktaufsicht ein. Die Finma hat die Valiant kürzlich gerügt und ihr Marktmanipulation vorgeworfen. Freilich sei Marktmanipulation nicht mit Kursmanipulation zu verwechseln, betonte Kurt Streit. Kursmanipulation ist ein strafrechtlicher Tatbestand; Marktmanipulation ist lediglich eine Verletzung des Aufsichtsrechts. Damit ist bloss der juristische Unterschied definiert. Sachlich bleibt die Unterscheidung schwammig. «Mit dem Vorwurf der Verletzung von aufsichtsrechtlichen Bestimmungen zum Marktverhalten sind wir nicht einverstanden», sagte Kurt Streit. Dennoch verzichtet die Valiant auf den Gang vor das Bundesverwaltungsgericht. «Ein Weiterzug erscheint uns unangemessen, da wir lediglich die Formulierungen beanstanden, die auf einem schwammigen rechtlichen Fundament stehen. Unser Ziel ist es, diese Angelegenheit zu den Akten legen zu können.»

 

Damit scheinen die Aktionäre offenbar sehr gut leben zu können.

 

Erschienen in der BZ am 25. Mai 2012

Claude Chatelain