Vierte Säule: Warum Jacqueline Fehr Managed Care bekämpft

SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr
SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr

Man stelle sich vor, die Managed-Care-Vorlage würde am 17. Juni entgegen allen Prognosen vom Schweizervolk doch noch angenommen. Und nehmen wir an, es würde danach alles besser: Die Netzwerke mit Budgetverantwortung würden dann bessere medizinische Leistungen zu einem tieferen Preis anbieten. Insgesamt könnte man eine Milliarde Franken einsparen, wie das Innenminister Alain Berset in der «Arena» des Schweizer Fernsehens vorrechnete.

Und wenn der Bundesrat den Risikoausgleich zwischen den Krankenkassen verfeinern würde, wie er das dank einem Ja am 17. Juni machen könnte, so würden die Prämienunterschiede zwischen den Krankenkassen mehr oder weniger verschwinden. Die SP und insbesondere die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr hätten dann ein Problem. Sie verlören ihr wichtigstes Argument für eine Einheitskrankenkasse. Sie könnten nicht mehr sagen, die Prämienunterschiede zwischen den Kassen seien ungerecht. Auch das Kostenargument würde bei Einsparungen von einer Milliarde entfallen. Ihr Prestigeobjekt, die Volksinitiative für eine einheitliche öffentliche Krankenkasse, für welche die SP wacker und sehr erfolgreich Stimmen sammelte, riskierte, Schiffbruch zu erleiden. Jacqueline Fehr kämpft an vorderster Front für diese Initiative. Sie kämpft nun ebenfalls an vorderster Front gegen die Managed-Care-Vorlage. Das lässt tief blicken.

 

Erschienen in der BZ am 22. Mai 2012

Claude Chatelain