Allein-, Gesamt- oder Miteigentum?

Ein Konkubinatspaar kauft sich ein Eigenheim. Drei Formen stehen zur Auswahl: Alleineigentum, Gesamteigentum und Miteigentum. Begriffsklauberei? Keineswegs.

 

Beim Gesamteigentum gehört das Eigenheim beiden Partnern gleichermassen. So wird es auch im Grundbuch eingetragen. In diesem Fall empfiehlt es sich, schriftlich zu regeln, wer wie viel Eigenmittel in die Liegenschaft gesteckt hat.  

Beim Alleineigentum gehört die Liegenschaft nur einem der beiden Partner. Nur der Eigentümer wird im Grundbuch eingetragen. Er allein kann über die Liegenschaft verfügen. Diese Eigentumsform drängt sich dort auf, wo nur der eine Partner die Eigenmittel aufbringt.

 

Beim Miteigentum gehört nur ein Teil der Liegenschaft dem jeweiligen Partner. Die Eigentumsverhältnisse werden in Prozenten angegeben. Die beiden Partner können sich die Wohnung zu fifty-fifty teilen. Theoretisch könnte auch der eine Partner 63 und der andere 37 Prozent der Liegenschaft besitzen. Die Besitzanteile werden im Grundbuch eingetragen. Sinnvoll ist es, den Besitzanteil entsprechend den eingebrachten Eigenmitteln zu definieren. Häufig teilen sich zwei Partner die Liegenschaft je hälftig, obschon sie unterschiedlich hohe Eigenmittel einwarfen. In solchen Fällen ist es ratsam, daneben noch einen Darlehensvertrag abzuschliessen.

 

Vorsorgegeld mit Pferdefuss

 

Was ist zu empfehlen? Entweder das Alleineigentum oder das Miteigentum. Vom Gesamteigentum ist hingegen abzuraten. Vielleicht möchte man später mit den angesparten Geldern auf dem Konto 3a oder mit dem Pensionskassengeld das Dach revidieren, eine Solaranlage einrichten oder sonstige Renovationen vornehmen. Ist jedoch das Paar nicht verheiratet, wird beim Gesamteigentum ein Vorbezug von Vorsorgegeldern nicht möglich sein. Anders gesagt: Wenn die Wohnung oder das Einfamilienhaus beiden gehört, können sie laut geltendem Recht für die Finanzierung oder die Abzahlung der Hypothek weder das Konto 3a noch die Pensionskasse bemühen. Das musste seinerzeit auch Jacqueline Bachmann, die frühere Chefin der Stiftung für Konsumentenschutz, am eigenen Leib erfahren. Als die Konsumentenschützerin und ihre Lebenspartnerin die Hypothek mit den Ersparnissen auf dem Konto 3a amortisieren wollten, mussten sie sich von ihrer Hausbank sagen lassen: «Sorry, bei Ihnen funktioniert das nicht. Das geht nur bei Eheleuten, nicht aber bei Unverheirateten», wie Bachmann dem «Blick» erzählte. Beim Miteigentum hingegen hätte Bachmann für ihren An-teil sehr wohl Vorsorgegelder anzapfen können.

 

Was ist beim Verkauf?

 

Beim Gesamteigentum braucht es für die Änderung der Eigentumsverhältnisse die Zustimmung beider Konkubinatspartner. Beim Miteigentum hingegen könnte der eine Partner seinen Teil der Wohnung oder des Einfamilienhauses verkaufen, auch wenn der andere Partner dagegen ist. Dies ist einer der wichtigsten Unterschiede. Allerdings lässt sich über die praktische Bedeutung dieses Unterschieds streiten. Es ist zweifelhaft, ob sich ein Käufer findet, der 50 Prozent eines Einfamilienhauses oder einer Eigentumswohnung kaufen wird. Daher hat das Miteigentum im Vergleich zum Gesamteigentum kaum Nachteile. Ganz im Gegenteil, das Miteigentum bringt Vorteile, wie eingangs geschrieben wurde: Beide Partner haben die Möglichkeit, das Eigenheim mit Geldern der Pensionskasse oder der Säule 3a zu finanzieren.

 

 

INFOTHEK

Das sagt das Gesetz: Artikel 2 der «Verordnung über die Wohneigentumsförderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge» besagt, bei welchen Eigentumsverhältnissen das Eigenheim mit Geldern der Pensionskasse oder der Säule 3a finanziert werden darf.

 

Zulässige Formen sind das Eigentum, das Miteigentum, das selbstständige und dauernde Baurecht sowie «das Eigentum der versicherten

Person mit ihrem Ehegatten zu gesamter Hand». Aufgrund dieser letzten Bestimmung können auch Ehegatten, welche beide Gesamteigentümer sind, Vorsorgegelder fürs Eigenheim vorbeziehen. Und wegen der gleichen Bestimmung können Konkubinatspartner das Haus nur dann mit Vorsorgegeldern amortisieren, wenn sie Allein- oder Miteigentümer sind.

 

Erschienen in der BZ am 8. Mai 2012


Claude Chatelain