Vierte Säule: Zu den Risikoprämien in der zweiten Säule

Die Zahl der neu gesprochenen Renten geht zurück.
Die Zahl der neu gesprochenen Renten geht zurück.

Die Meldung ging im Schlagzeilen-Dschungel fast unter: Anfang März teilte die «Zürich» mit, dass sie die Invaliditätsprämie in der beruflichen Vorsorge senkt – und zwar deutlich. Damit werden Arbeitnehmer und Arbeitgeber entlastet. Die positive Schadenentwicklung in der Invaliditätsversicherung habe diesen Schritt möglich gemacht. 

Zwei Wochen später erklärte Allianz Suisse an der Bilanzmedienkonferenz, dass sie ebenfalls die Risikoprämien senken werde. Die Meldungen zeigen, dass die Gewerkschaften nicht so unrecht haben, wenn sie die Rolle der Versicherungen in der beruflichen Vorsorge kritisieren. Gerade mit dem Risikoschutz gegen Invalidität haben die Versicherer gutes Geld verdient. Denn die IV verzeichnet seit Jahren tiefere Neurenten. Davon profitieren logischerweise auch die Vorsorgeeinrichtungen der 2. Säule. Weniger neue Renten heisst weniger Kosten für Invaliditätsrenten.

 

Deshalb hätten die Lebensversicherer die Invaliditätsprämien schon längst senken müssen. Axa und Swiss Life taten das zum Teil. Auch die Zürich sagt, sie habe die Invaliditätsprämien schon früher gesenkt. Aber stimmt das auch wirklich? Zweifel sind angebracht. Wer senkt schon die Prämien ohne Not? Interessanterweise wurden die Prämien in der Einzelversicherung, also bei der sogenannten Erwerbsunfähigkeitsversicherung, schon längst nach unten korrigiert. Bei der «Zürich» zum Beispiel sanken die Prämien zwischen 2008 und 2011 um 25 Prozent. «Für einmal sinken die Prämien», schrieb ich vor ziemlich genau einem Jahr.

 

Warum sinken die Prämien in der Einzelversicherung schneller als in der beruflichen Vorsorge? Ganz einfach, weil dort die Prämien einfacher zu vergleichen sind. Maklerfirmen publizieren monatliche Prämienvergleiche. Wenn ein Versicherer die Prämien senkt, müssen die anderen nachziehen. Es herrscht Wettbewerb. Ganz anders in der Kollektivversicherung, eben der beruflichen Vorsorge. Hier sind die Offerten der Lebensversicherer mangels Transparenz schwer miteinander zu vergleichen. So bleiben die üppigen Margen verborgen. Etwa nach dem Motto: Im Dunkeln lässt sich gut munkeln.

 

Erschienen in der BZ am 27. März 2012

Claude Chatelain