Entschlüsseln Sie Ihren Pensionskassenausweis

Wie hoch ist die Rente bei einer vorzeitigen Pensionierung? Wie ist der Partner und wie sind die Kinder nach dem Tod abgesichert? Wie ist die Erwerbsunfähigkeit versichert? Das alles steht im Pensionskassenausweis, der im Frühling den Versicherten zugestellt wird.

Der Pensionskassenausweis enthält wichtige Informationen. Das Problem ist nur, dass viele Leute diese Informationen nicht verstehen. Es ist ein Buch mit sieben Siegeln. Wichtig sind zum Beispiel Informationen zu den Vorsorge- und insbesondere zu den Risikoleistungen. Gemeint sind Hinterlassenen- und Invaliditätsrenten. Denn beim Tod oder bei Invalidität werden nicht nur Renten aus der ersten, sondern auch aus der zweiten Säule fällig, eben der Pensionskasse. Der Familienvater sollte wissen, wie hoch das Renteneinkommen seiner Familie bei seinem Tod ausfällt. Alleinstehende interessieren sich für die Höhe der Invaliditätsrente. Und Konkubinatspaare werden abklären, ob sie beim Tod des Partners Leistungen von der Pensionskasse erhalten. Im Folgenden sind die einzelnen Punkte des Pensionskassenausweises erläutert. Das Muster stammt vom Finanzdienstleister AWD Schweiz, einer Tochtergesellschaft von Swiss Life:

 

1  Gemeldeter Jahreslohn

Der AHV-Jahreslohn entspricht dem Bruttolohn gemäss Lohnausweis. Daneben gibt es den versicherten Jahreslohn. Anhand dieses Betrags werden die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge berechnet. Der versicherte Jahreslohn ergibt sich aus dem AHV-Jahreslohn abzüglich eines Koordinationsbeitrages von derzeit 24 360 Franken. Grosszügige Kassen verzichten auf den Koordinationsabzug. Bei Teilzeitbeschäftigen sollte der Koordinationsabzug dem Teilpensum angepasst werden, was jedoch nicht bei allen Pensionskassen erfolgt.

 

2  Entwicklung Altersguthaben

Diese Zahl zeigt, wie sich das Altersguthaben gegenüber dem Vorjahr entwickelt. Es erhöht sich um die im aktuellen Jahr einbezahlten Sparbeiträge des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers sowie die Zinsgutschrift. Die gesetzliche Mindestverzinsung beträgt aktuell 1,5 Prozent. Dieser Mindestzinssatz gilt nur für die gesetzlichen Minimalleistungen. Der Zins auf einem vorhandenen überobligatorischen Kapital kann tiefer ausfallen. Möglich ist auch ein Zinsüberschuss, sofern die Pensionskasse dem Versicherten höhere Kapitalerträge gutschreibt als sie gesetzlich garantieren muss.

 

3  Leistungen im Alter

So hoch wird das Pensionskassenkapital beziehungsweise die Rente zum Zeitpunkt der Pensionierung voraussichtlich ausfallen. Für die Hochrechnung geht die Pensionskasse davon aus, dass der Arbeitnehmer bis zu seiner Pensionierung immer gleich viel verdient. Der Zinssatz, mit dem das heutige Alterskapital hochgerechnet wird, variiert von Kasse zu Kasse, üblicherweise wird der aktuell gültige Zinssatz verwendet. Für die Berechnung der Altersrente wird das voraussichtliche Alterskapital inklusive Zins mit dem Umwandlungssatz der Pensionskasse multipliziert. Konkret: Bei einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent gibt es pro 1000 Franken Altersguthaben eine Rente von 68 Franken pro Jahr. Achtung: Viele Pensionskassen rechnen überobligatorische Guthaben zu massiv tieferen Sätzen in eine Rente um. Überobligatorische Guthaben entstehen, indem höhere Beiträge angespart werden als gesetzlich vorgeschrieben. Wer statt einer lebenslänglichen Rente das Alterskapital ausbezahlt haben möchte, muss dies der Pensionskasse in der Regel drei Jahre vorher mitteilen. Von Gesetzes wegen können mindestens 25 Prozent des obligatorischen Altersguthaben als Kapital bezogen werden. Viele Kassen erlauben hingegen in ihrem Reglement einen Kapitalbezug von 100 Prozent.

 

4  Altersleistung bei vorzeitiger Pensionierung

Bei einer frühzeitigen Pensionierung fällt die Altersrente tiefer aus, weil das angesparte Altersguthaben geringer ist und es auf mehr Rentenjahre verteilt werden muss. Deshalb ist der Rentenumwandlungssatz bei vorzeitigen Pensionierungen weniger hoch. Pensionskassen führen auf dem Vorsorgeausweis meist auf, wie hoch die Rente bei einer vorzeitigen Pensionierung ausfällt.

 

5  Hinterlassenen-Leistungen

Diese Rente erhalten Hinterbliebene beim Tod des Versicherten, sofern dieser für den Unterhalt von Kindern aufkommen muss oder die Ehe mindestens fünf Jahre dauerte und die überlebende Witwe älter als 45 ist. Von Gesetzes wegen erhalten nicht nur Witwen sondern auch Witwer eine Hinterbliebenenrente, wobei hier strengere Anspruchsvoraussetzungen gelten. Je nach Pensionskasse erhalten auch Konkubinatspartner Hinterbliebenenleistungen. Das Todesfallkapital ist eine freiwillige Zusatzleistung, beispielsweise ein Jahreslohn.

 

6  Invalidenversicherung

So viel Rente zahlt die Pensionskasse nach Ablauf der Wartefrist, wenn der Versicherte zu hundert Prozent erwerbsunfähig ist. In der Praxis wird die IV-Rente häufig nach dem Leistungsprimat und nicht nach dem Beitragsprimat berechnet. Man nennt dies Duoprimat. Das heisst, die Invalidenrente wird aufgrund des versicherten Lohnes, die Altersrente hingegen aufgrund des angesparten Guthabens berechnet.

 

7  Finanzierung

Diesen Betrag zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in die Pensionskasse ein. Transparente Kassen splitten auf, wie viel der Beiträge in den Spartopf für das Alter gehen und wie viel die Versicherungsleistungen für das Todesfall- und das Invaliditätsrisiko beziehungsweise die Verwaltungskosten ausmachen.

 

8  Maximal möglicher Einkauf

Wer nicht bis zu seinem Maximum einbezahlt hat, könnte zusätzliche freiwillige Einkäufe tätigen. Solche Einkäufe sind beliebt. Zum einen wird dadurch die Altersrente erhöht, zum andern kann man solche Einkäufe voll vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Und bei einer reinen Beitragsprimatkasse resultieren durch solche Einkäufe erst noch höhere Risikoleistungen.

 

9  Maximal möglicher Vorbezug für Wohneigentumsförderung

Dieser Betrag kann für den Kauf eines selbst bewohnten Eigenheims oder der Reduktion der Hypothek eingesetzt werden. Ab dem 50. Lebensjahr ist dieser Betrag beschränkt auf das Kapital, das mit 50 vorhanden war oder auf die Hälfte des vorhandenen Altersguthabens zum Bezugszeitpunkt – je nachdem, welcher der beiden Beträge höher ist.

 

10  Deckungsgrad

Der Deckungsgrad gibt Auskunft über die finanzielle Situation der Pensionskasse. Ein Deckungsgrad von mindestens 100 Prozent heisst, dass die Pensionskasse zurzeit alle aktuellen und künftigen Verpflichtungen erfüllen kann. Bei unter 100 Prozent spricht man von Unterdeckung.

 

11  Mitglieder des Stiftungsrats

Jedes Unternehmen muss mindestens einen Arbeitgeber- und einen Arbeitnehmervertreter ernennen. Dieser nimmt die Interessen der Mitarbeitenden gegenüber der Pensionskassenleitung war.

 

Erschienen in der BZ am 20. März 2012

Claude Chatelain