Banken und Versicherungen lachen sich ins Fäustchen

Der Gewerkschaftsbund hat seine alte Platte aufgelegt: Zur Senkung der Pensionskassenrenten fehlten die Argumente, schrieb er gestern in einer Pressemitteilung.

Er nimmt damit Stellung zum «Bericht über die Zukunft der 2. Säule», die der Bundesrat Anfang Jahr veröffentlicht hat. Weder die tiefen Zinsen an den Finanzmärkten noch die steigende Lebenserwartung sind für die Gewerkschafter Grund genug, künftige Renten zu senken. Vielmehr müsse bei den Verwaltungskosten der Banken und den Risikoprämien der Versicherungen angesetzt werden.

 

Die Gewerkschaften haben sich in die Finanzkonzerne verbissen wie der Pitbull in sein Opfer. Sie finden, börsenkotierte Multis hätten in einer Sozialversicherung nichts verloren. Diese Haltung ist zwar nicht ganz ohne. Doch mit den dogmatisch begründeten Attacken gegen Versicherungskonzerne wird die Situation der Vorsorgeeinrichtungen um kein Jota verbessert.

 

Noch immer leiden etliche, insbesondere öffentlich-rechtliche Kassen unter einer massiven Unterdeckung. Der Bernischen Pensionskasse und der Bernischen Lehrerversicherungskasse fehlen gegen 5 Milliarden Franken. Der Steuerzahler ist nicht bereit, dieses Loch zu stopfen. Und die beiden Pensionskassen sind nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft der Abwärtsspirale zu entziehen. Und was ist die Antwort der Gewerkschaften auf solche Missstände?

 

«Kicking the can down the road» nennt man das, wenn das Problem vor sich hergeschoben wird. Die Folgen sind verheerend: Wer für unrealistische Renten kämpft, riskiert, dass früher oder später auch die Rentnerinnen und Rentner zur Sanierung maroder Kassen herbeigezogen werden. Bei den genannten Pensionskassen im Kanton Bern sind solche Forderungen nicht neu. Sollte es so weit kommen, dann gute Nacht. Dann ist das Vertrauen in die 2. Säule vollends zerstört. Dann werden sich angehende Rentnerinnen und Rentner das Kapital auszahlen lassen, statt auf eine unsichere Rente zu vertrauen.

 

Banken und Versicherungen lachen sich schon heute ins Fäustchen. Sie werden diese ausbezahlten Kapitalien gegen schöne Provisionen anlegen. Dank der Gewerkschaften.

 

Erschienen in der BZ am 20. März 2012

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Claude Chatelain