BEKB: Neues Gesicht, gleiche Politik

Hanspeter Rüfenacht
Hanspeter Rüfenacht

An seinem ersten Medienauftritt als Chef der Berner Kantonalbank liess Hanspeter Rüfenacht keine Zweifel offen, dass er an der bisherigen Strategie der geringen Risiken festhalten will.

Im Börsenhype vor gut zehn Jahren galt die Berner Kantonalbank als langweilig. Konservativ war damals an den Finanzmärkten so etwas wie ein Schimpfwort. Heute ist alles anders: Nach all den Schlagzeilen von strauchelnden Grossbanken, zockenden Investmentbankern, millionenhoher Boni, aggressiver Wachstumsstrategien oder zweifelhafter Optionsprogrammen sind Attribute wie langweilig oder konservativ ein Kompliment. Rückblickend stellt man nüchtern fest, dass die Krise Anfang der Neunzigerjahre, als faule Kredite von 6,6 Milliarden Franken in die Auffanggesellschaft Dezennium ausgelagert wurden, der Staatsbank gutgetan hat. Sie verfolgt seither eine konsequente Strategie mit geringem Risiko.

 

Gewinn mit wenig Risiko

 

«Wir verzichten bewusst auf riskante und spekulative Geschäfte – und leben sehr gut damit», sagte gestern der Geschäftsleitungsvorsitzende Hanspeter Rüfenacht. Damit machte er klar, dass an der eingeschlagenen Strategie festgehalten wird. 

Aktiengesellschaften sind stolz, wenn sie stabile Dividenden auszahlen können. Die BEKB zahlt nicht nur stabile, sondern Jahr für Jahr höhere Dividenden – zum fünfzehnten Mal in Folge. Davon profitieren nicht nur die 64'000 Aktionäre, sondern alle Steuerzahler im Kanton Bern. Der Kanton besitzt 51,5 Prozent der Aktien. 2011 sind der öffentlichen Hand 61,3 Millionen Franken an Dividenden, Steuern und Entschädigung für die Staatsgarantie zugeflossen.

 

Hoher Deckungsgrad

 

Die BEKB geniesst offensichtlich einen überdurchschnittlichen Vertrauensbonus, auch von Firmen, welche ihr Geld sicher parkiert haben wollen. Nur so ist zu erklären, weshalb die Staatsbank höhere Kundengelder als Ausleihungen und damit einen Deckungsgrad von über 100 Prozent aufweist. Sie hat also keine Finanzierungsprobleme zu befürchten. Im Kanton Bern weist nur gerade die Stadtberner DC-Bank einen Deckungsgrad von über 100 Prozent aus.

 

Der Bruttogewinn ist wegen der geringen Zinsmarge tiefer ausgefallen. Auch der Kommissionsertrag war rückläufig, was auf die schlechte Stimmung an den Finanzmärkten zurückzuführen ist. Den Jahresgewinn vermochte die Kantonalbank trotzdem zu steigern, weil sie aufgrund der komfortablen Eigenmitteldeckung die Reserven für allgemeine Bankrisiken weniger stark dotiert hat.

 

Komfortabel ist die Eigenmittelausstattung alleweil. Das manifestiert sich im hohen Eigenmitteldeckungsgrad von 229 Prozent. Bei der Regionalbankengruppe Valiant, dies zum Vergleich, beträgt dieser Wert 150 Prozent

 

Erschienen in der BZ am 16. März 2012

Claude Chatelain