Volljährige und andere Kinder

Je mehr Kinder, desto mehr Abzüge, desto komplizierter die Steuererklärung.
Je mehr Kinder, desto mehr Abzüge, desto komplizierter die Steuererklärung.

Wer Kinder hat, kann in der Steuererklärung Abzüge vornehmen. Hier gibt es wesentliche Neuerungen.

Laut Merkblatt 12 gibt es für Kinder insgesamt zehn verschiedene mögliche Abzüge. Wir beschränken uns hier auf deren vier:

  • Kinderabzug
  • Unterstützungsabzug
  • Abzug für Ausbildungskosten
  • Abzug für bezahlte Kinderbetreuungskosten

Besonders kompliziert sind diese Abzüge bei geschiedenen Eltern. Wir beschränken uns deshalb auf solche Fälle, zumal sie ja nicht so selten auftreten. Kompliziert deshalb, weil man wissen muss, wer in welchen Fällen den Abzug vornehmen darf. Der Einfachheit halber beschränken wir uns auf den klassischen Fall, in welchem der Vater Unterstützungsbeiträge zahlt und die Kinder bei der Mutter leben. Das geschiedene Paar hat zwei Kinder: eine 20-jährige Tochter in Ausbildung und einen 15-jährigen Sohn. Wir beschränken uns auf die Staatssteuer, da sie stärker zu Buche schlägt als die Bundessteuer.

 

1. Kinderabzug

 

Der Kinderabzug wird automatisch berücksichtigt – und doch muss man beim Ausfüllen der Steuererklärung wissen, ob man dazu berechtigt ist. Im vorliegenden Fall kann die Mutter den Kinderabzug für den 15-jährigen Sohn und der Vater den Kinderabzug für die mündige Tochter vornehmen. Er beträgt bei der Kantonssteuer pro Kind 6500 Franken. Voraussetzung: Die volljährige Tochter verdient keine 24'000 Franken pro Jahr.

 

2. Unterstützungsabzug

 

Dieser Abzug ist nur bei volljährigen Kindern in Erstausbildung möglich. Und er kann nicht zusätzlich zum Kinderabzug getätigt werden. Das heisst, dass die Mutter für die volljährige Tochter den Abzug von 4600 Franken geltend macht, da dem Vater der Kinderabzug angerechnet wird. Freilich darf die Mutter den Unterstützungsabzug nur dann vornehmen, wenn sie Leistungen von mindestens 4600 Franken erbracht hat, was im Hotel Mama meistens der Fall ist. Beim Bund beträgt die Mindestleistung übrigens 6400 Franken.

 

3. Abzug Ausbildungskosten

 

Nachweisbare Kosten für die Ausbildung können bis maximal 6200 Franken abgezogen werden. Im vorliegenden Fall wird der Vater diesen Betrag geltend machen, da er seiner volljährigen Tochter Alimente bezahlt, die er seit ihrem 18. Altersjahr nicht mehr vom steuerbaren Einkommen abziehen kann. Sollten für den Achtklässler auch zusätzliche Ausbildungskosten anfallen, so kann die Mutter diese in Abzug bringen. Schliesslich muss sie die Kinderalimente, die sie vom Ex-Mann erhält, als Einkommen versteuern.

 

4. Abzug für bezahlte Kinderbetreuungskosten

 

Dieser neue Abzug war politisch umstritten, da ihn nur erwerbstätige Mütter und Väter vornehmen können. Die Gegner dieses Abzugs machten eine Diskriminierung jener Mütter geltend, die zum Wohl des Kindes auf eine Erwerbstätigkeit verzichten. Im vorliegenden Beispiel kommt dieser Abzug nicht infrage, da der Abzug nur bis zum 14. Altersjahr zulässig ist.

 

Erschienen in der BZ am 13. März 2012

Claude Chatelain