Vierte Säule: Zur Flut von Anlagefonds

In der Schweiz gibt es sage und schreibe 7400 Anlagefonds, die zum Vertrieb zugelassen sind. Man muss sich das mal vorstellen: siebentausendvierhundert Anlagefonds. Alle haben sie massgebende Dokumente, die von der Finanzmarktaufsicht überprüft und abgesegnet werden mussten.

Die meisten dieser Fonds sind Me-too-Produkte: Sie unterscheiden sich bloss im Namen. Unterschiedlich ist zudem die Bank oder die Fondsgesellschaft, die den Fonds herausgibt und mit diesem Vehikel Geld verdient. Abgesehen davon investieren die Fonds im gleichen Universum und orientieren sich am gleichen Börsenindex wie viele andere Fonds auch. Alle versuchen sie mehr oder weniger explizit, eine höhere Performance zu erzielen als der dem Fonds zugrunde liegende Börsenindex. Den meisten gelingt dies mehr schlecht als recht.

 

Banken mit eigenen Anlagefonds wollen eine breite Palette anbieten. Insbesondere Länder- und Branchenfonds, für welche eine grosse Nachfrage besteht, gehören somit ins Sortiment. Sonst müssten die Geldhäuser dem Kunden einen Fonds der Konkurrenzbank verkaufen. Das ist weniger lukrativ. Deshalb gibt es derart viele Fonds. Der Wein ist häufig derselbe. Nur der Schlauch variiert. Anders verhält es sich mit den börsengehandelten Indexfonds, den sogenannten ETF. Wer analog zum Nasdaq-Index investieren will, kauft den «QQQQ». Wer Schweizer Bluechips will, setzt auf den «CS ETF on SMI». Und wer den S&P-500 abbilden will, kauft Anteile des «Spiders». Diese Produkte werden an der Börse wie Aktien gehandelt. Da spielt es keine Rolle, wer die herausgebende Bank ist. Deshalb gibt es bei den ETF nicht so viele Me-too-Produkte. Und deshalb werden auch viele ETF wieder verschwinden, weil sie die rentable Grösse nicht haben erreichen können. Der Abstand der «Winners» zu den Nachahmern ist enorm. In der Sprache der ABBA könnte man sagen: «The winner takes it all.» Und wenn wir schon beim Geld sind: Kennen Sie den? Wer ist glücklicher: der Vater mit sieben Kindern oder der Manager mit einem Bonus von sieben Millionen Franken? Natürlich der Vater. Der Manager will noch mehr.

 

Erschienen in der BZ am 13. März 2012

Claude Chatelain