Ferieninitiative: Es gab noch grössere Schlappen

Martin Flügel ist trotz vernichtender Niederlage stolz.
Martin Flügel ist trotz vernichtender Niederlage stolz.

Die Ferieninitiative ist mit einem wuchtigen Nein-Anteil von 66,5 Prozent abgelehnt worden. Von 27 Volksinitiativen der letzten zehn Jahre wurden 8 noch brutaler bachab geschickt.

 

Es ist die Kunst von Abstimmungsverlierern, trotz vernichtendem Urteil die abgeschmetterte Initiative positiv zu werten. Travailsuisse-Präsident Martin Flügel zeigte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA «stolz darauf, die Frage nach der Überbelastung am Arbeitsplatz thematisiert zu haben». 

Syna-Präsident Kurt Regotz sagte, es sei wichtig, den Druck aufrechtzuerhalten, damit alle Arbeitnehmenden mindestens eine fünfte Ferienwoche erhalten. Womit sich die Frage stellt, weshalb die Initianten nicht schon zu Beginn fünf Ferien forderten, um eine reelle Chance für bessere Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder zu erwirken. Der Nein-Anteil von 66,5 Prozent ist zwar vernichtend – und doch gab es in den vergangenen Jahren etliche noch schlechtere Resultate. Von den 27 Volksinitiativen der letzten zehn Jahre hat der Stimmbürger deren 8 noch deutlicher verworfen: Die mit Abstand deutlichste Abfuhr erlitten die Initianten «Für den Schutz des ungeborenen Kindes». Nur gerade 18 Prozent unterstützten am 2. Juni 2002 das generelle Abtreibungsverbot. Das zweitschlechteste Resultat erzielte der Gewerkschaftsbund mit seiner «36-Stunden-Initiative». Im Vergleich zu den 25 Prozent Ja-Stimmen kann der Konkurrenzverband Travailsuisse mit seinem 33,5 Prozent Ja-Anteil schon fast einen Erfolg feiern.

 

Aufschlussreiches Detail: Bei beiden Initiativen geht es um die Arbeitsbedingungen der Schweizer Bevölkerung. Von den 27 Volksinitiativen der zurückliegenden zehn Jahre haben übrigens nur deren 6 die Gunst des Schweizer Stimmvolks gefunden. Zwei davon zielten auf Ausländer und Sexualstraftäter. Den höchsten Ja-Anteil von 57,7 Prozent hat die Initiative «Gegen den Bau von Minaretten» erreicht.

 

Erschienen in dre BZ am 12. März 2012

Claude Chatelain