Der Wechsel von Streit zu Bucher ist eine sehr gute Nachricht

Post-Chef Jürg Bucher wird VR-Präsident bei der Valiant
Post-Chef Jürg Bucher wird VR-Präsident bei der Valiant

Schon seit anderthalb Jahren untersucht die Finanzmarktaufsicht (Finma), ob bei der Valiant-Bank alles mit rechten Dingen zu- und herging. Anlass dazu gab der abrupte Kurssturz der Valiant-Aktie. Der Kurs trotzte lange Jahre jeder Unbill der Finanzmärkte, nur um im Oktober 2010 plötzlich in die Tiefe zu stürzen. Das nährte den Verdacht, Valiant könnte den Kurs unrechtmässig manipuliert haben.

 

Und nun kündigt der starke Mann der Regionalbank völlig überraschend den Rücktritt an. Etwa wegen der Abklärungen der Finma? Kurt Streit verneint dies, gibt aber gleichzeitig zu verstehen, dass er für solche Mutmassungen durchaus Verständnis habe. Der 62-Jährige verweist darauf, dass er die Valiant von einer lokalen zu einer breit abgestützten Schweizer Bank entwickelte. Seine Aufgabe sei erfüllt.

 

Kurt Streit hat genug.
Kurt Streit hat genug.

Ohne die Leistungen von Kurt Streit schmälern zu wollen, ist seine Rücktrittsankündigung dennoch als positiv zu werten. Bei der Valiant ist der Wurm drin. Wenn sich der Aktienkurs innert kurzer Zeit ohne sichtbaren Grund praktisch halbiert, so geht das auf den VR-Präsidenten zurück. Dann hat er etwas falsch gemacht. Da denkt man etwa an das zweifelhafte Optionsprogramm, das einer Regionalbank schlecht ansteht. Da denkt man auch an das Aktienrückkaufsprogramm, das zur falschen Zeit erfolgte.

 

Im Gespräch beim Apéro merkte man gestern sehr wohl, warum Kurt Streit aufhört: Seit 1975 arbeitet er bei dieser Bank. Seit 2009 ist er VR-Präsident. Er hat genug. All die Kritiken setzten ihm zu, obschon er das so nicht sagte. Hoch anzurechnen ist ihm, dass er den Zeitpunkt des Rücktritts nicht verpassen will. Dabei ist ihm mit der Nomination von Post-Chef Jürg Bucher als seinem Nachfolger erst noch ein Coup geglückt.

 

Erschienen in der BZ am 8. März 2012

Claude Chatelain