Was, wenn der Ernährer stirbt?

Todesfallrisikoversicherungen mit abnehmender Summe sind wenig bekannt – unter Umständen aber sinnvoller als solche mit einer konstanten Versicherungssumme.

 

Mit der Geburt des ersten Kindes werden sich verantwortungsbewusste Eltern die Frage stellen, ob die Familie finanziell über die Runden kommt, sollte dem einen oder anderen Ehepartner etwas zustossen. Beim Tod des Ernährers erhalten die Hinterbliebenen aus der AHV und der beruflichen Vorsorge Witwen- und Kinderrenten. In den meisten Fällen wird dies ausreichen. Ist jedoch der Ehepartner mit dem höheren Einkommen bei keiner Pensionskasse versichert, wird je nach Lebensstandard und finanzieller Situation der Abschluss einer Todesfallrisikoversicherung sinnvoll sein. Und schon stehen die frischgebackenen Eltern vor der Qual der Wahl.

Vier Versicherungstypen stehen zur Auswahl:

- die gemischte Versicherung;

- die einjährige Todesfallversicherung mit steigender Prämie;

- die mehrjährige Todesfallversicherung mit konstanter Versicherungssumme;

- die mehrjährige Todesfallversicherung mit abnehmender Versicherungssumme.

 

Die vier Typen im Einzelnen

 

Die gemischte Versicherung führt sowohl einen Risiko- wie auch einen Sparteil. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, daher sollten Risikoschutz und Sparbedürfnisse nicht vermischt werden.

 

Einjährige Risikoversicherungen werden zum aktuellen Risiko des laufenden Versicherungsjahres tarifiert. Sie sind daher vor allem für jüngere Jahrgänge recht günstig. Erst ab Alter 50 steigt das Todesfallrisiko beträchtlich an – und damit auch die Prämie. Wer schon heute abzuschätzen vermag, dass die Todesfallversicherung noch lange Jahre nötig sein wird, schliesst am besten eine langjährige Versicherung mit Prämiengarantie ab. Vor bösen Überraschungen bleibt man somit verschont. Garantiert ist aber nur die Bruttoprämie. Auf der Offerte steht indes auch eine Nettoprämie. Diese ergibt sich aus der Bruttoprämie minus nicht garantierter Überschüsse. Je nach Schadenverlauf und Finanzerträgen fallen die Überschüsse höher oder tiefer aus, deshalb können sie nicht über Jahre hinaus garantiert werden. Am besten stützt man sich auf die garantierte Bruttoprämie, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

 

Abnehmend statt konstant

Nun gibt es bei der langjährigen Todesfallversicherung zwei Typen: mit konstanter oder mit abnehmender Versicherungssumme. Die zweite Variante ist weniger bekannt: Nur 18 Prozent der von der Baloise verkauften Risikoversicherungen haben eine abnehmende Todesfallsumme. Bei Swiss Life liegt das Verhältnis bei drei zu eins. Das ist erstaunlich, ist doch der Versicherungstyp mit abnehmender Versicherungsleistung deutlich günstiger. Dafür nimmt die Versicherungssumme kontinuierlich ab, bis sie nach Ende der Laufzeit bei null angelangt ist. Auf 20 Jahre berechnet ist die Versicherung mit konstanter Prämie mehr als doppelt so teuer wie jene mit abnehmender Summe, in gewissen Fällen sogar dreimal so teuer. Das Versichern einer abnehmenden Todesfallsumme kann durchaus sinnvoll sein. Je älter der Ernährer beim Tod ist, desto weniger lang muss das Ersatzeinkommen hinhalten. Und je älter die Kinder herangewachsen sind, desto eher hat die Witwe die Möglichkeit, ihre Erwerbstätigkeit auszubauen oder wiederaufzunehmen. Häufig werden Todesfallversicherungen von Eigenheimbesitzern abgeschlossen, damit der überlebende Partner in der Lage ist, die Hypothekarzinsen zu bezahlen und im Haus zu bleiben. Auch in solchen Fällen wird eine abnehmende Versicherungssumme ausreichen, sofern mit jeder Zinszahlung gleichzeitig die Schuld amortisiert wird. Hier nimmt die Zinsbelastung kontinuierlich ab – und damit auch der Bedarf des Todesfallschutzes.

 

Warum ist die Nachfrage so klein, wenn doch bestechende Argumente für die Variante des abnehmenden Todesfallschutzes sprechen? Die Antwort von Finanzberater Gerold Schlegel aus Bern:  «Versicherungsvertreter und Makler, die von Provisionen und Courtagen leben, verkaufen lieber die Variante mit konstanter Todesfallsumme. Das Prämienvolumen ist deutlich höher – und damit auch die Provision.»

 

Erschienen in der BZ am 6. März 2012

Claude Chatelain