Vierte Säule: Zur Erbschaftssteuer in den USA

Über die Arroganz der Hegemonialmacht USA war in jüngster Zeit viel zu lesen. Arrogant ist sie deshalb, weil sie sich befugt fühlt, ihr zweifelhaftes Rechtsverständnis auch in Europa durchzusetzen.

 

Arrogant auch, weil sie Staatsbürger besteuert, die gar nicht in den USA wohnen und somit auch nicht die Infrastruktur der Vereinigten Staaten beanspruchen. Eigentlich kann uns Schweizern das egal sein. Wer eine Greencard beantragt und sich damit freiwillig der Steuerpflicht der USA unterstellt, ist selber schuld. Und Doppelbürger können ja den US-Pass zurückgeben, wenn sie es leid sind, dem amerikanischen Fiskus Steuern abzuliefern, obschon das zugegebenermassen nicht ganz einfach ist. Ich kenne viele Schweizer, die stolz sind, ebenfalls die US-Staatsbürgerschaft zu besitzen. Ich beneide sie nicht.

 

Jetzt greift die gefrässige Steuerbehörde in Washington auch noch Schweizer an, die noch nie in den USA waren, keine Grossmutter mit US-Wurzeln haben, geschweige denn einen US-Pass besitzen. Also lupenreine Schweizer aus echtem Schrot und Korn, die die USA höchstens von ein paar einsilbigen Fernsehserien kennen und sich ab und zu in einen McDonalds verirren. Auch solche Schweizer sind nämlich in den USA unter Umständen steuerpflichtig, sollte der verstorbene Vater oder die verstorbene Mutter Aktien von amerikanischen Firmen im Depot haben.

 

Konkret: Werden US-Aktien im Wert von mindestens 60 000 Dollar vererbt, sind die Erben gezwungen, dem amerikanischen Fiskus eine komplizierte und in Englisch abgefasste Steuererklärung abzuliefern. Darin sind nicht nur Angaben über die steuerpflichtigen US-Aktien, sondern über den gesamten Nachlass anzugeben. Die Steuerbelastung beträgt bis zu 45 Prozent. Liebe Väter, Mütter und sonstige potenzielle Erblasser: Verkaufen Sie Ihre US-Aktien, sollten Sie welche haben. Kaufen Sie Anlagefonds, welche in amerikanische Unternehmen investieren. Solche Fonds sind in den Vereinigten Staaten (noch) nicht erbschaftssteuerpflichtig. Und überhaupt: Die Zukunft liegt in Asien.

 

Erschienen in der BZ am 6. März 2012

Claude Chatelain